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Afrikamissionare - Weisse Väter
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Aus den Weihnachtsbriefen von Mitbrüdern

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Bruder Roger Berkensträter aus Lusaka
16. Dezember 2008
Im kommenden Jahr wird es wohl eine Umstellung geben, denn die südlichen Provinzen (der Missionsgesellschaft der Weissen Väter), Malawi, Mosambik und Südafrika werden sich im Juli 2009 zu einer einzigen Provinz zusammenschließen. Das wird verwaltungsmäßig Veränderungen mit sich bringen. Es war erst daran gedacht worden, die neue Verwaltung in Malawi einzurichten. Aber hier fehlt es an guten Kommunikationsmöglichkeiten. In Johannesburg hat man keine Lust mit neuen Bauarbeiten zu beginnen. So sind alle froh, dass der neue Sitz in Lusaka sein wird. Aber auch hier werden wir wohl Änderungen im Haus vornehmen müssen. P. Gotthard Rosner wird das Amt des Provinzials abgeben. In dem neuen Setup werden der Provinzial und der Ökonom wahrscheinlich viel unterwegs sein.
Es wird immer zeitraubender und frustrierender Arbeitsgenehmigungen und Visas zu erhalten, besonders wenn es sich um Afrikaner handelt. Gerade diese Woche hatten wir einen Fall. Ein junger sambianischer Mitbruder wurde nach Tunesien ernannt. Er musste erst nach Südafrika fliegen, um dort in der tunesischen Botschaft ein Visum zu beantragen. Nachdem er es erhalten hatte, stand seiner Abreise nach Tunis nichts mehr im Weg. Allerdings waren wir alle überrascht, als er nach einigen Tagen wieder in Lusaka auftauchte und zwar unter Polizeieskorte. Die Tunesier hatten ein Rückflugticket verlangt, da sein Visum nur ein dreimonatiges Touristenvisum war, (wohl ein Fehler der Botschaft). Ein Empfehlungsschreiben des tunesischen Bischofs wurde von den Behörden ignoriert. Auf allen Flughäfen wurde er von der Polizei begleitet, bis er im Flugzeug saß. Ein schöner Anfang! Wir bekamen von der Ethiopien Airline dazu dann auch noch die Rechnung für den Rückflug präsentiert. Er wird jetzt erst einmal hier in Lusaka bleiben, während von höherer Stelle versucht wird, ihm doch noch einen Aufenthalt in Tunis zu ermöglichen.

Pater Josef Roes berichtet von seiner Pfarrei in Nzovwe, Tansania

12. Dezember 2008

Unsere Pfarrei ist (nachdem einige Teile zu eigenständigen Pfarreien wurden) jetzt verhältnismäßig klein. Wir haben nur noch acht Außenstationen und bis auf eine sind sie alle in der Nähe. In dreien, hier im Stadtgebiet, und hier in Nzovwe haben wir jeden Sonntag eine Messe. Die anderen besuchen wir gewöhnlich nur einmal im Monat, und das während der Woche.
Was machen Missionare denn die ganze Zeit? Erstverkündung an Leute, die noch nichts von Christus gehört haben ("Heiden", wie wir früher sagten), gibt es in unserer Pfarrei kaum noch. In anderen Pfarreien in der Diözese ist das noch anders. Wir hier in unserer Pfarrei haben rund 7500 Katholiken. Neben uns gibt es noch eine Menge anderer christlicher Gruppierungen, rund ein Dutzend. Mit drei davon arbeiten wir viel zusammen, haben gemeinsame Gottesdienste oder Seminare. Unsere Hauptaufgabe ist Vertiefung des Glaubens und die Bildung einer lebendigen und unabhängigen Kirche. Wenn ich sage: unabhängig, verstehen Sie mich nicht falsch. Nzovwe-Pfarrei ist ein Teil der Katholischen Kirche und Rom treu. Unabhängig heißt hier: auf sich selbst gestellt, nicht mehr abhängig (besonders auf finanzieller Seite) von Europa oder Amerika.
Seit vielen Jahren drängen die Bischöfe Ostafrikas darauf, die ganze Pastoral auf "Kleine Christliche Gemeinden" oder "Basisgemeinden" aufzubauen. So haben wir in der Pfarrei gut 50 solcher Basisgemeinden. Für diese geben wir Seminare und gehen auch zu Gottesdiensten in diese Gruppen und feiern die heilige Messe im Hause eines Mitglieds dieser Gruppe. In diesen Gruppen, wenigstens in den meisten, kommen die Leute einmal in der Woche zum gemeinsamen Gebet zusammen. Aber was noch oft fehlt und was wir vor ihnen immer wieder betonen ist, dass jeder für seinen Nächsten mitverantwortlich ist. Für viele ist Religion noch zu individuell, etwas das keinen anderen etwas angeht. Das geht nur sehr langsam.

Pater Josef Stamer schreibt von seiner Arbeit im "IFIC", (Institut d'Information Islamo-Chrétienne)
und im "Zentrum für Glaube und Begegnung" in Bamako, Mali.
04. Dezember 2008

Gott hat Mali und ganz Westafrika ein Jahr Frieden geschenkt und dazu eine gute Regenzeit, so dass wenigstens die Grundnahrungsmittel reichlich zu Verfügung stehen: ein leichtes Aufatmen in einem Meer von Armut und Bedrängnis.
Mein Leben spielt sich in einem fest gefügten Rahmen ab, fast etwas zu eintönig, so dass man kaum merkt ,wie die Wochen und Monate vorbeiziehen: von montags bis freitags Vorlesungen und Büroarbeit. Das bedeutet, zweimal täglich die paar Kilometer von unserer angemieteten Wohnung zum Zentrum "Glaube und Begegnung" hin- und her zu fahren. Übers Wochenende dann Aushilfe in der Seelsorge mit ein oder zwei Gottesdiensten am Sonntagmorgen in verschiedenen Stadtvierteln.
Beinahe hätten wir unser eben erst angefangenes Institut zur Ausbildung in christlich-islamischer Begegnung gleich wieder schließen müssen und zwar aus Lehrermangel. Mein französischer Kollege und Mitbruder hatte sich im Februar bei einer Studienreise mit den Studenten in den Norden Malis so stark an der Wirbelsäule verletzt, dass er für Wochen ausfiel und der eingeplante Ersatzmann war wegen Krankheit auch nicht verfügbar. So wurde unser Unternehmen plötzlich zu einem Einmannbetrieb und ich war für die acht Studenten der Alleinunterhalter.
Im April hatte der päpstliche Dialograt zu einer Tagung nach Nairobi eingeladen. Es ging um unsere Arbeit: die Ausbildung von afrikanischen Priestern und sonstigen kirchlichen Mitarbeitern im christlich-islamischen Dialog. Ich bin also kurz auf die andere Seite Afrikas geflogen (sechs Flugstunden ohne Zwischenstopp von Bamako nach Nairobi) um den Vertretern der afrikanischen Bischofskonferenzen unsere Arbeit hier am IFIC vorzustellen. Es ist die einzige Einrichtung dieser Art in ganz Afrika. Anderswo gibt es nur Teilelemente dieser speziellen Ausbildung.
Unsere erste Studentengruppe ist dann auch glücklich und zufrieden Anfang Juni in die Heimatländer abgereist. Mit den meisten von ihnen haben wir noch regen Kontakt. Inzwischen ist eine neue Gruppe von zehn Studenten hier eingetroffen und schon seit gut zwei Monaten in der Ausbildung. Die Zusammensetzung ist nicht so bunt wie vergangenes Jahr, denn mit fünf Diözesan- und zwei Ordenspriestern ist das klerikale Element im Übergewicht, zumal diesmal auch keine Ordensschwester dabei ist.
Wir haben diesmal aber etwas besser vorgesorgt, was den Lehrkörper angeht. Ein in Islamkunde ausgebildeter Priester aus Burkina Faso ist uns für zwei Jahre als Gastdozent ausgeliehen worden und lebt in unserer Gemeinschaft. Mehrere andere sind für kürzere Unterrichtsperioden im Laufe des Jahres vorgesehen.
Verstärkung auf der einen Seite, aber Doppelbelastung auf der anderen. Aus Personalmangel habe ich seit September zu meiner jetzigen Aufgabe der Leitung des IFIC, auch noch vorübergehend (aber für wie lange?) die Leitung des Zentrums "Glaube und Begegnung" übernehmen müssen, die ich vor Jahresfrist abgegeben hatte. So bleibt mir wirklich kaum noch eine freie Minute.
Immer wieder und von ganz verschiedenen Seiten wird unsere Arbeit hier, sei es im IFIC oder im Zentrum "Glaube und Begegnung", als vorbildlich dargestellt, als ein unverzichtbares Hoffnungszeichen für ein friedliches Zusammenleben von Christen und Muslimen in Westafrika: letztlich als Zeichen für das Kommen Gottes in die afrikanische Welt. Und diese Gewissheit gibt uns Mut und Kraft weiter zu machen.


Pater Rolf Wigger ist Universitätspfarrer in Mbarara, Uganda.
Er macht sich Gedanken über Problemen des Bildungswesens.
03. Dezember 2008

Kürzlich sagte der Oberbürgermeister von Kampala, dass es immer schwieriger wird, die notwendigen Dienstleistungen für die rapide wachsende Bevölkerung der Hauptstadt weiter zu entwickeln. Kampala hat inzwischen 3,5 Millionen Einwohner. Nur die wenigsten davon zahlen Steuern, da nach Aussage des Oberbürgermeisters nur 25 Prozent produktiv sind. Im Vergleich dazu sollen in Berlin 90 Prozent produktiv sein. Die Kinder der Subsistenzlandwirte in den Dörfern suchen ein vermeintlich besseres Leben in der Stadt. Tatsächlich ist es für junge Bauern schwierig mit moderner Landwirtschaft vorwärts zu kommen. Die niedrigen Preise auf dem Weltmarkt und auch auf dem inländischen Markt machen profitable Investitionen nur schwer möglich. Die jungen Bauern sehen, dass die Zwischenhändler mehr verdienen als der Produzent. Aber wenn sie ohne die richtige Berufsausbildung in die Stadt ziehen, müssen sie sich arbeitslos in den Slums durchschlagen. Zu Grunde liegen verfehlte Träume von "Entwicklung". Da die Arbeit auf dem Land hart ist und wenig einbringt, träumen junge Leute von einem besseren Leben auf einem Bürostuhl. Diesen Platz hoffen viele durch theoretische Bildung zu erlangen.
Leider steuert die Bildungspolitik diesem Trend nicht entgegen. Kürzlich hat die Regierung kostenlose Sekundarschule für alle eingeführt. Die Klassen sind überfüllt und es fehlt an Lehrern. Viele, wenn nicht die meisten, machen einen miserablen Schulabschluss. Wer seinen Kindern eine gute Ausbildung bezahlen kann, schickt sie auf teure Privatschulen. Handwerkliche Ausbildung und Technische Schulen gibt es nur wenige. Es ist nicht einfach einen kompetenten Handwerker in Uganda zu finden. Wer auf dem Gymnasium war, will keine "rückständige" Handarbeit mehr machen. So bindet sich so mancher "Abiturient" eine Krawatte um den Hals, und sucht das "moderne" Leben in der Stadt.
Unsere Diözese Mbarara unterhält hier ganz in meiner Nähe verschiedene Bildungsanstalten, die versuchen dem allgemeinen Drang auf einen Bürostuhl entgegen zu wirken. Es werden Techniker, Schneider, Krankenpfleger und moderne Landwirte ausgebildet. Auch zwei kirchliche Gymnasien, die eine gute Ausbildung für erschwingliches Geld anbieten, gibt es.
Universitäten sind von dem Trend in die falsche Richtung auch betroffen. Da immer mehr junge Leute zu höherer Ausbildung drängen, erlaubt die Regierung die Eröffnung von immer mehr privaten Universitäten. Ihr Hauptzweck ist nicht eine solide Berufsausbildung sondern ein gutes geschäftliches Einkommen für den Besitzer. Diese Universitäten werden oft in irgendwelchen alten Schulgebäuden eröffnet, und bieten meist theoretische Kurse an, die ohne viele Lehrmittel unterrichtet werden können, aber auf dem Arbeitsmarkt wenig gebraucht werden. Da jeder Student eine Einkommensquelle für die Uni ist, werden auch junge Leute aufgenommen, die für eine Universitätsausbildung nicht geeignet sind. So werden viele zukünftige arbeitslose Akademiker ausgebildet.
Auch öffentliche Universitäten haben ihre Probleme. An der ältesten Universität Ugandas, Makerere, herrscht ein richtiger Massenbetrieb. Die Klassen sind so überfüllt, dass es für einen Lehrer oft nicht möglich ist, die Examen seiner Studenten richtig zu zensieren. Außerdem hat die Universität Makerere ständig administrative und finanzielle Schwierigkeiten. So gibt es an dieser und auch einigen anderen Universitäten viel Unzufriedenheit und es kommt öfter zu Streiks.
Im Vergleich dazu geht es uns an unserer Mbarara Universität gut. Es herrscht insgesamt ein gutes Studienklima. Die Verwaltung ist gut; Lehrkörper und Studenten haben ein gutes Verhältnis. Die meisten Lehrer sind zwar noch recht jung und es sind wenige unter ihnen die schon den akademischen Rang eines Professors haben, aber ich kann sagen, dass die meisten fachkundig sind und auch regelmäßigen, guten Unterricht geben. Außerdem ist die Zahl der Studenten überschaubar.
Die Fakultäten Medizin, Naturwissenschaften und Informatik bilden Leute aus, die Uganda braucht. Sie haben kein Problem Arbeit zu finden. Es ist sogar ein Verlust, wenn Mediziner, Lehrer in naturwissenschaftlichen Fächern oder Informatiker ins Ausland abwandern. Das ist eine echte Gefahr, da für gute Professionelle die Gehälter und die Arbeitsbedingungen in Uganda oft frustrierend sind. Die Absolventen unserer vierten Fakultät, Entwicklungswissenschaften, haben allerdings größere Schwierigkeiten eine Anstellung zu finden. Jedoch kann man sagen, dass unsere Universität insgesamt wenige arbeitslose Akademiker ausbildet.


Pater Clemens Knobelspies schreibt aus Bukavu, Kongo DR
20. November 2008

Im Jahre 2006 die Erzdiözese Bukavu die Ankunft der ersten Missionare (Weissen Väter) im Gebiet der heutigen Erzdiözese vor 100 Jahren (15/09/1906) feiern konnte. – Im August dieses Jahres konnte die Pfarrei Murhesa das goldene Jubiläum feiern. Murhesa war meine erste Pfarrei. Danach war ich noch zweimal dorthin ernannt. – Am 05. Oktober beging die Pfarrei Burhiba, wo ich zur Zeit bin, die Feier von 75 Jahren ihrer Gründung. Burhiba war die erste Pfarrei im Gebiet der heutigen Stadt Bukavu. Damals waren die umliegenden Hügel noch bewaldet. Die Pfarrei Burhiba hat zweimal den Standort gewechselt. Heute ist sie ein Vorort von Bukavu. Die Afrikamissionare – Weissen Väter waren die ersten Missionare in der Erzdiözese und haben die Kirche gegründet und geleitet. Heute ist Burhiba noch die einzige Pfarrei in der Diözese, die von uns Afrikamissionaren – W.V. geleitet wird. In den anderen Pfarreien sind jetzt zum größten Teil kongolesische Diözesanpriester tätig.
Seit einigen Wochen verfolgen wir mit Besorgnis die Nachrichten aus der Provinz Nord-Kivu, besonders aus der Stadt Goma, die am nördlichen Ufer des Kivu-Sees liegt. Denn der Rebellenführer Laurent Nkunda kam mit seiner Truppe bis kurz vor Goma; manche sagten, er habe bereits den Flughafen eingenommen.
Die Gründe und Zusammenhänge der derzeitigen Ereignisse sind aus der Ferne sicherlich schwer zu verstehen. Als die Kolonialmächte die Grenzen zogen, fielen einige Gebiete mit ruandischer Bevölkerung, besonders im Nord-Kivu, zum Kongo. Danach siedelten noch andere Leute wegen der Überbevölkerung aus Rwanda in den Kongo um. Schließlich kamen noch ruandische Flüchtlinge dazu. Einige Leute dieser ruandischen Bevölkerungsgruppe, besonders die Tutsi, reklamieren immer wieder, dass sie vom kongolesischen Staat nicht anerkannt seien. Auf der anderen Seite wollen sie sich auch nicht integrieren, sondern immer ihren eigenen Brei machen.
Als nach den Kriegen in den vergangenen Jahren und nach den Wahlen der Versuch gemacht wurde, die verschiedenen Rebellengruppen in einer einzigen Armee zu vereinigen, war der Tutsi Rebellenführer Laurent Nkunda mit seiner Gruppe nicht damit einverstanden. Er will das Regime von Kinshasa stürzen.
Auf der anderen Seite ist das kongolesische Militär nicht motiviert, gegen ihn zu kämpfen. Die Soldaten sind, wenn überhaupt, kaum bezahlt und schlecht ausgerüstet, während ihre obersten Offiziere das Geld für sich behalten und sich in Kinshasa Villen bauen. Andere sollen sogar ihre Waffen an Nkunda verkaufen. Beim Herannahen der Truppen Nkundas kennen die kongolesischen Soldaten nichts anderes, als zu fliehen und vor der Flucht zu plündern und zu vergewaltigen.
Die UNO hatte noch nie und nirgends eine so große Truppe wie zur Zeit die MONUC im Kongo eingesetzt. Aber sie greift kaum ein, um die Kämpfe zu verhindern und die Bevölkerung zu schützen. Sie scheint nur eine Zuschauerrolle zu spielen. Man hat den Eindruck, dass sie nur zum Schein da ist, um das wahre Spiel der Nachbarländer und der Weltmächte zu vertuschen. Denn diese profitieren von den Unruhen im Kongo, um die reichen Bodenschätze des Landes unkontrolliert zu plündern, während die hiesige Bevölkerung im Elend lebt.

Redaktion: hbs

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