Das 27. Generalkapitel der
Afrikamissionare vom 11. Mai bis zum 12. Juni 2010 war nicht nur eine
Arbeitsveranstaltung, sondern auch ein "Wagnis des Glaubens", so nannte es der
neue Generalobere P. Baawobr. Es sollte die Vision der Missionsgesellschaft und ihrer
Mitglieder erweitern und einen Weg in die Zukunft weisen. Dieses Gremium wählt auch den
Generaloberen und seinen Rat für die nächsten sechs Jahre.
Begonnen wurden die Beratungen des Kapitels mit einer Standortbestimmung: "Was ist
unsere Mission heute und wie wird diese Mission gelebt?" Das Kapitel ruft die
Missionsgesellschaft zurück zum Wesentlichen. Die Delegierten hatten die Aufgaben, im
Geiste des Gründers und in Treue zu ihm die Zeichen der Zeit zu lesen.
Die 42 Delegierten repräsentieren die ganze Missionsgesellschaft. Erstaunlich, wie
Mitbrüder überall das Geschehen beim Kapitel verfolgten. Sie schrieben E-Mails und
unterstützten die Kapitelsarbeit durch ihr Gebet. Insofern feiert so ein Kapitel die
weltweite Einheit.
Dieses Kapitel setzte Zeichen und zeigte, dass die Afrikamissionare an eine Zukunft für
ihre Missionsgesellschaft glauben. Unterstützt wurde die Arbeit des Kapitels durch eine
"Begleitmannschaft" von 16 Übersetzern, Sekretären, Beratern und Medienleuten.
Die Gemeinschaft des Generalates leistete in den Tagen des Kapitels großartiges durch
Gastfreundschaft, Hilfsbereitschaft und die Unterbringung und Beköstigung der Gäste. Die
Situation sehen
Die Arbeitsmethode dieses 27. Kapitels war "Sehen, Urteilen und
Handeln". Im "Sehen" wurde die aktuelle Situation der Missionsgesellschaft
ins Auge gefasst und auf das geschaut, was bisher ist. Der Generalobere und der
Generalökonom gaben ihre Rechenschaftsberichte, jede Provinz stellte sich vor, berichtete
von ihrer Arbeit ihren Problemen, Sorgen und Freuden.
Im "Urteilen" wurde geschaut, wohin der Geist die Arbeit der
Missionsgesellschaft heute treibt. Zwei Moderatoren, Pater Dominic Apee, ein
Afrikamissionar aus Ghana und die kanadische Schwester Micheline Trambley (Sisters of the
Holy Cross) leiteten die Arbeit des Kapitels. Im Plenum und sechs Arbeitsgruppen, drei
davon englischsprachig, drei französischsprachig, wurden die Themen bearbeitet, Inhalte
diskutiert und Texte geschrieben. Die Ergebnisse wurden danach im Plenum vorgestellt. Im
Austausch und in den Rückfragen suchte das Kapitel einen gemeinsamen Weg. An diesen
ersten Texten wurde weiter stark gefeilt, die Ideen auf einen gemeinsamen Nenner gebracht
und von einem Übersetzungs- und Redaktionskomitee bearbeitet bevor sie nach mehreren
Bearbeitungen reif waren für die Schlussabstimmung.
Die großen Themen
Erstes Thema war die Vision unserer Zukunft: Die Afrikamissionare leben aus einem
apostolischen Geist, der die Frohbotschaft zu den Völkern bringt. Es folgte das Thema
"Begegnung und Dialog, Gerechtigkeit, Frieden und Bewahrung der Schöpfung".
Dann kamen Beratungen zu unserer Mission außerhalb Afrikas. Beim Thema Finanzen waren
sich die Delegierten bewusst, wie stark die Arbeit der Missionsgesellschaft abhängig ist
von der Unterstützung und den Spenden der Wohltäter und Freunde, der Familien und
Bekannten. Die Ausbildung unserer Kandidaten war ein weiterer großer Beratungspunkt. Der
Text zum "Dienst an den Mitbrüdern und an der Mission" betont die Wichtigkeit
des Gemeinschaftslebens, das uns im Dienst an der Mission trägt und unterstützt, gerade
dort, wo wir als Einzelne unsere Schwächen erleben.
Nach einer weiteren Bearbeitung der Texte konnten in der Schlussdiskussion nur noch
Korrekturen vorgeschlagen werden, um die Ideen besser auszudrücken. Die Texte wiesen nun
schon in "die richtige Richtung".
Halbzeit und Wahlen
Etwa gegen Mitte der Sitzungszeit des Kapitels wurde der neue Generalobere und
sein Rat gewählt. Aufgabe dieses Rates wird es auch sein, die Umsetzung der Beschlüsse
des Kapitels zu überwachen. Nach der Erstellung der Kapitelsdokumente war die Zeit des
"Handelns" gekommen. In der Schlussabstimmung wurde über jedes Dokument einzeln
abgestimmt. Wichtig bei all dem war das Vertrauen in den Beistand des Heiligen Geistes.
Delegierte sind Botschafter
Die Teilnehmer des Kapitels müssen überzeugt sein von dem, was sie erarbeitet
haben und die Botschaft zu den Mitbrüdern bringen. Jeder muss sich "bekehren"
lassen, um in das hineinzukommen, was das Kapitel sagt. "Der Heilige Geist und wir
haben entschieden", hieß es schon am Anfang der Kirche. Die Delegierten bringen die
Nachrichten heim zu den Mitbrüdern und Gemeinschaften und Sektoren.
Die Arbeit des Kapitels wurde spirituell begleitet. Immer wieder lud der englische
Mitbruder Frank Barnes ein, die Arbeit zu unterbrechen für einen geistlichen Vortrag,
einer Zeit der Stille und des Gebetes.
Täglich wurde Eucharistie gefeiert in den Gruppen oder in der großen Gemeinschaft und
damit alles in einen größeren Zusammenhang gestellt.