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Afrikamissionare - Weisse Väter
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Burkina Faso: Arbeit eines Missionsbruders.

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Alte Traditonen und neue Freunde

Bei Sonnenuntergang kommt das Leben im Sahel im Norden von Burkina Faso zur Ruhe. Für den Afrikamissionar Bruder Jakob Fellmann (68), einen Weissen Vater aus der Schweiz, ist das ein guter Augenblick, um den Menschen zu begegnen. Sie haben die Arbeit des Tages beendet, haben Zeit für ihn und für ein Gespräch.

Von Bruder Jakob Fellmann M.Afr.
August 2003

Mich zur Ruhe zu setzen, hatte ich nie vor. Ich will auch während meiner Pension sinnvollen Beschäftigungen nachgehen. Darum habe ich in Ouahigouya meine Sachen gepackt. Die Werkstatt, die ich während 40 Jahren aufgebaut und geleitet hatte, habe ich in afrikanische Hände übergeben. Ein afrikanischer Bruder hat die Verantwortung jetzt übernommen. Ich selber wollte das so, denn eine spätere Übergabe mit zitternden Händen und Löchern im Gedächtnis wollte ich nicht machen.

Damit mein Nachfolger in aller Ruhe und Freiheit arbeiten kann, habe ich mich auf einer Missionsstation, 110 Kilometer nördlich, etwas tiefer im Sahel, installiert. Djibo, so heißt der Ort, ist eine kleine Stadt, in der Menschen aus allen Himmelsrichtungen zusammengewürfelt sind. In der umliegenden Gegend leben viele Nomaden, die von Weideplatz zu Weideplatz ziehen. Die Abende bei ihnen sind die schönsten Stunden. Man sitzt mit ihnen vor den Strohhütten, beleuchtet vom Mond und der Glut der Holzkohle, auf der Tee gebraut wird.

Djibo ist eine Stadt mit ungefähr 30000 Einwohnern der verschiedensten Ethnien, ein Ort von ganz besonderem Reiz. 120 Kilometer nördlich von hier ist die Grenze nach Mali. Der Landstrich bis dorthin wird vom Staat stark vernachlässigt. In der Regenzeit sind die Pisten entweder verschlammt oder stehen unter Wasser. Erst ab Oktober können die Wege wieder mit dem normalen Auto befahren werden. Während der Regenzeit kann ich nur mit dem Moped zu den Leuten gelangen.

In Djibo haben wir von morgens sieben Uhr bis Mitternacht Elektrizität. Es existiert auch ein Telefonnetz, und wir haben eine Post. Mit dem Telefonieren gibt es noch Probleme, das Netz ist oft tagelang gestört. Jeden Mittwoch findet der große Markttag statt. Die Leute kommen mit Eselskarren von bis zu 50 Kilometer weit her, um ihre Wocheneinkäufe zu erledigen. Sie brauchen beispielsweise Getreide, Gewürze, Haushaltsartikel und vieles mehr. Große Lastwagen bringen auch Waren, die nicht von Einheimischen hergestellt werden, aus der Hauptstadt 200 Kilometer weit hierher. Djibo ist außerdem bekannt für seinen riesigen Viehmarkt, der etwas außerhalb der Stadt liegt. Ochsen, Schafe, Ziegen und Hühner werden zusammengepfercht und in den alten, klapperigen Lastwagen in die Hauptstadt und in andere große Städte Burkina Fasos transportiert.

Ich lebe mit zwei afrikanischen Priestern zusammen auf der katholischen Mission. Oft haben sie ganz andere Beschäftigungen, von denen ich als Laie nicht viel verstehe und somit nur begrenzt helfen kann. Der Bischof von Ouahigouya hat mir andere Aufgaben zugeteilt. Zunächst überwache ich zwei Baustellen, von denen sich eine direkt in Djibo befindet. In einem Jahr werden sich dort Schwestern einrichten, die sich besonders der Frauen und Mädchen annehmen, vielleicht auch in Form einer Art Näh- und Haushaltsschule, welche die Mädchen unterstützen soll und eine Bereicherung für die Gegend wäre. Die zweite Baustelle ist 100 Kilometer entfernt und wird ebenfalls eine Einrichtung für die Schwestern werden.

Des Weiteren erstelle ich eine Statistik über die Infrastruktur der Dörfer im Umkreis von 50 bis 80 Kilometern von Djibo. Mit dieser Aufgabe betrete ich sozusagen Neuland für unsere Mission, und das macht mir besonders großen Spaß. Durch meine Besuche in den Dörfern komme ich viel in Kontakt mit der einheimischen Bevölkerung, was sehr interessant sein kann, da ich so einiges über ihr Brauchtum lerne. Ich bringe in Erfahrung, ob die Dörfer eine Kranken- und Entbindungsstation besitzen, ob Brunnen oder Tiefenbohrungen vorhanden sind oder ob die Leute im einige Kilometer entfernten Nachbardorf Wasser holen müssen.

Wichtig ist auch die Frage nach einer Schule, denn der Großteil der Bevölkerung ist von ihrem Nutzen bei weitem nicht überzeugt, so dass sie schlecht besucht sind. Oft gibt es nur Koranschulen, denn in fast allen Dörfern sind die Einwohner muslimisch. Vom Nutzen der normalen Schule haben die Leute kaum eine Vorstellung. Darum wird selten ein Kind geschickt, und ein Mädchen in der Schule ist fast schon ein Wunder.

In den jeweiligen Dörfern erfrage ich ferner, welche Ethnie dort ansässig ist und welche Sprache sie spricht. Es gibt hier im Norden sechs verschiedene Ethnien: Bella, Dogon, Fulse, Peul, Rimaibe und Tuareg. Etliche von ihnen sind Nomaden. Das Volk der Tuareg fasziniert mich ganz besonders. Anfangs hatte ich eine leichte Abneigung gegen die Tuareg, da sie mir sehr stolz erschienen und durch ihren Turban und ihrem nur die Augen freilassenden Gesichtsschleier auf mich ein wenig Angst einflößend wirkten. Ich habe sie jedoch näher kennengelernt und bin nun sogar mit einer Familie befreundet. Ihre noch auf alten Traditionen beruhende Gastfreundschaft ist kaum zu übertreffen. Was mich besonders beeindruckt, ist die Zufriedenheit, die die Leute ausstrahlen. Trotz Armut, ungewisser Zukunft und dem Kampf ums Überleben klagen sie selten.

Sobald ich in ihrem Camp ankomme, werden Matten ausgebreitet, Tee wird gekocht und ab und zu Fleisch und Reis mit ranziger Butter zubereitet. Durch Fragen und Beobachten versuche ich, viel von ihrer Lebensweise zu verstehen. Viele Tuareg sind Flüchtlinge aus Mali und hier sesshaft geworden. Sie sind ein sehr tolerantes Volk, und es freut mich besonders, dass sie sämtliche Kinder in die Schule schicken.

Ich bin von meinen Jahren in Ouahigouya mit vielen Dingen aus dem Brauchtum der Mossi bekannt, doch jede Ethnie hat ihre eigenen Traditionen und Verhaltensweisen. Ich muss also noch viel lernen, zum Beispiel die Unterschiede bei den Festen von Geburt, Heirat und Tod. Auch ist die Verschiedenheit der Grußformel sowohl abhängig von der Ethnie selbst, als auch von der Tageszeit und den Gegebenheiten. Von den fünf Sprachen, die hier gesprochen werden, kann ich nur eine. In den Dörfern finde ich aber fast immer jemanden, der Mossi, die Sprache meiner früheren Gegend, spricht. Ich werde jedoch versuchen, die Sprache der Peul zu erlernen, die hier fast alle verstehen.

Abgesehen von diesen Aufgaben betreue ich ein paar Projekte des Vereins der "Freunde Djibos". Einer Anzahl Mädchen aus Djibo und Umgebung hat dieser Verein ermöglicht, drei bis vier Jahre eine Näh- und Haushaltsschule in Ouahigouya zu besuchen und einen Diplomabschluss zu machen. Ihre Kenntnisse sollen sie später an andere weiter vermitteln. Drei Mädchen haben in Djibo schon eigenverantwortlich ein Nähatelier eröffnet, und nächstes Jahr wird von einer anderen jungen Frau ein Restaurant aufgemacht. Der Verein unterhält außerdem fünf Schulen und hat für einige Tiefenbohrungen in dieser Gegend gesorgt.

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