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Afrikamissionare - Weisse Väter Ludwigsburger Str. 21 50739 Köln |
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Von Mönchen, Missionaren und Gerechtigkeit |
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Einsatz für Gerechtigkeit und Frieden, alles nur Mode oder gar ein Irrweg? Ordensleute in allen Kontinenten arbeiten für eine bessere, gerechtere und friedvollere Welt. Für sie ist das Teil ihrer Berufung. |
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Als der große Lastwagen der Fairness-Tour im westfälischen Münster ankam, kletterte eine Ordensschwester auf die Bühne und lud die Passanten in der Fußgängerzone ein, sich über die Schuldenlast der armen Länder zu informieren. Die ökumenische Organisation Erlassjahr.de brachte eine Kampagne zum Abschluss, bei der Fairness-Ringe gesammelt wurden, die ein transparentes Schiedsverfahren für verschuldete Länder forderte. Die anwesenden Schwestern hatten die größte Anzahl von Ringen gesammelt, am meisten eine Schwesterngemeinschaft aus Neuenbeken. Kein Besucher konnte das Haus verlassen, ohne seine Unterschrift geleistet zu haben. 5000 Kilometer weiter südlich sitzt ein Afrikamissionar bei über 40 Grad im Schatten vor seinem Computer und arbeitet im Internet. Auf seiner Internetseite www.abcBurkina.net informiert Pater Maurice Oudet darüber, wie die hochsubventionierten Agrarprodukte aus Europa, Amerika und Asien die Existenzgrundlage der ländlichen Bevölkerung in Afrika ruinieren. Seit zwei Jahrzehnten beschäftigt er sich mit dem Los der afrikanischen Kleinbauern. Vor einer Generation konnten sie noch ihre Familien ernähren und mit ihren Baumwollfeldern ein paar Franken für Schulgeld und Krankenversorgung verdienen. Oudets digitaler Aufschrei über den Ruin von zwei Millionen westafrikanischen Baumwollbauern wurde bei Bauernverbänden in Westafrika diskutiert, vom europäischen Netzwerk "Africa Europe Faith and Justice Network" (AEFJN) in Brüssel aufgegriffen und von afrikanischen Regierungschefs auf die Tagesordnung der Welthandelskonferenz gesetzt. Warum engagieren sich Missionare weltweit in politischer Lobbyarbeit? Das scheint so gar nicht in unser Bild vom Missionar zu passen, der das Wort Gottes predigt, Schulen und Krankenhäuser baut und Aidskranke tröstet. Die Arbeit für Gerechtigkeit und Frieden als wesentlicher Bestandteil der Sendung der Kirche hat ihre Wurzeln im Zweiten Vatikanischen Konzil. Im Dokument "Gaudium et Spes" entwarfen die Bischöfe das Bild einer Kirche, die mit der Welt im Dialog steht und die Probleme, die Freude und Hoffnung der Menschen ernst nimmt. Die massiven Ungerechtigkeiten einer Globalisierung zu beseitigen, die für wenige Menschen unvorstellbaren Reichtum bedeutet, bedeuten für einen Großteil der Menschheit jedoch Armut und Elend. Propheten wie Amos und Jeremias haben solche Missstände angeklagt. Für Jesus war "Gerechtigkeit, Barmherzigkeit und Ehrlichkeit" der Kern des ganzen Gesetzes. In der Woche, als die Bischöfe Afrikas 1994 zur ersten Afrikanischen Synode in Rom zusammenkamen, begann der Völkermord in Ruanda, einem der katholischsten Länder Afrikas. Die Evangelisierung hatte zwar viele Menschen in Ruanda zum Glauben an Jesus geführt. Aber seine Botschaft und die christlichen Werte hatten weder die afrikanischen Kulturen noch die Gesellschaftssysteme durchdrungen. Noch während der Synode folgerten die Afrikas Kirchenvertreter daraus: Inkulturation und Einsatz für Gerechtigkeit und Frieden sind "wesentliche Aspekte von Mission", so ihr Abschlussdokument. Konzile und Synoden für Afrika und andere Kontinente haben eine neue missionarische Dynamik freigesetzt. Christus verkünden, christliche Gemeinden gründen, die Kirche auf der ganzen Welt präsent machen das Ideal der Orden bleibt gültig. Aber weder individuelle Bekehrung noch Aufbau der Kirche erschöpfen die Mission der Kirche. Es geht um das Reich Gottes, das größer ist als die Kirche. Es geht um "das Reich der Gerechtigkeit, der Liebe und des Friedens", wie es in der Liturgie heißt. Die Botschaft Jesu muss auch die gesellschaftlichen Wirklichkeiten, Politik, Wirtschaft und Kultur, verändern. Sie muss gegen das Leid angehen, das durch rücksichtslose Machtpolitik und durch eine ungerechte Wirtschaftsordnung angerichtet wird - ein weites Aufgabenfeld für Kirche und Orden. Die Missionsorden wollen auf diese Herausforderung antworten sowohl in Europa, als auch in den Ländern des Südens. Schon 1989 gründeten die missionierenden Orden das AEFJN, um die Anliegen Afrikas bei den europäischen Institutionen in Brüssel zu vertreten. Entscheidungen der Europäischen Union (EU) in der Agrarpolitik und im Waffenhandel können das Leben der Menschen in Afrika positiv oder negativ beeinflussen. Ein Team verfolgt in Zusammenarbeit mit anderen Nichtregierungsorganisationen geplante Gesetzesvorlagen und deren Konsequenzen für die Armen in den so genannten Entwicklungsländern und versucht, Bürokraten und Politiker positiv zu beeinflussen. Keine leichte Aufgabe, wenn man bedenkt, dass in Brüssel etwa 20000 Lobbyisten aller Industrien und Großkonzerne mit viel Geld und Know-how das Gleiche tun. "Aber", ermutigte ein Professor die Lobbyarbeit der Missionare, "bei euch weiß jeder, dass ihr nicht für die eigenen Interessen, sondern für die Armen der Welt arbeitet". Das Netzwerk hat Antennen in allen Ländern Westeuropas. In
Deutschland heißt es "Netzwerk Afrika Deutschland" (NAD) mit Büros in Bonn und
Berlin. Mit den 45 Mitgliedsorden greift es afrikarelevante Themen auf und engagiert sich
mit anderen Organisationen in öffentlichen Kampagnen. Themen sind: Mit einer groß angelegten und gut besuchten Internetseite (www.netzwerk-afrika-deutschland.de) informiert das Netzwerk über diese Themen und gibt aktuelle Information über alle Länder Afrikas. Ist der Einsatz von Ordensleuten für Gerechtigkeit, Frieden und Bewahrung der Schöpfung nur ein Modetrend oder gar eine Fehlentwicklung? Ordensgelübde bedeuten Hingabe an Gott, sind aber auch radikaler Ausdruck von "Durst und Hunger nach Gerechtigkeit". Ordensleben heißt Ressourcen teilen, ohne persönliches Machtstreben gemeinsam Gottes Willen suchen und ganz frei sein für Gottes Reich und seine Gerechtigkeit. Ein Engagement für Gerechtigkeit ist für Mönche und Missionare ebenso Herz ihrer Berufung wie der Lobpreis der Liturgie. Pater Wolfgang Schonecke, August 2004 |
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