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Afrikamissionare - Weisse Väter
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ürde des Alters, Bürde der Jugend

Bekannte Bilder aus Westafrika: Würdige alte Menschen, lachende junge Leute, tanzende Kinder. Ein Bild von Harmonie und heiler Welt. Doch hinter der Fassade der Fröhlichkeit und Würde spielen sich verzweifelte Kämpfe ab. Es geht um Machterhalt auf der einen und um Freiheit auf der anderen Seite.

Die Bezeichnung "Alter" oder "Alte" für Männer oder Frauen ist in Burkina Faso nicht abwertend gemeint. Im Gegenteil, es handelt sich um eine Art Ehrentitel. Jemanden mit "cekoroba" (in Dioula: alter Mann) oder "musokoroba" (alte Frau) anzusprechen, ist positiv und respektvoll. Als Alter gilt jemand ab etwa 50 Jahren. Für europäische Verhältnisse ist das sehr jung! Doch die durchschnittliche Lebenserwartung in Burkina Faso liegt bei 43 Jahren.

Unter der Landbevölkerung von Burkina Faso spielt die ethnische Identität eine wesentliche Rolle. Im ganzen Land gibt es mehr als 60 verschiedene Volksgruppen. Die Garanten der ethnischen Identität sind zumeist die Alten, weil sie Träger der Ordnung und des sozialen Friedens sind. Sie übermitteln Normen und Werte, ethnisch spezifische Traditionen und Lebensweisen, Verhaltensregeln und Lebensmuster.

Das klingt schön, ist es aber nicht. Des sozialen Friedens wegen müssen sich junge Leute in den ländlichen Gebieten dem von den "Alten" vertretenen Weltbild unterordnen. Widerrede beschwört familiäre und soziale Konflikte herauf. Einzige Alternative ist oft das Verlassen des Ortes, das Abwandern in die nächst größere Stadt oder ins Nachbarland Elfenbeinküste.

Ehen kommen nicht nur zu Stande durch das Einverständnis zweier Partner. Deren Familien spielen eine wesentliche Rolle. Die Hochzeit verbindet nämlich zwei Familien, ja zwei Großfamilien. Dabei gibt es einige extreme Formen. In Burkina Faso sind die "erzwungenen Hochzeiten" ein häufiges Problem. Die Alten nehmen starken Einfluss auf die Wahl von Ehepartnern. Schon im Kindesalter wird manches Mädchen einer anderen Großfamilie als zukünftige Braut versprochen. Diese Sitte ist in einigen Regionen Burkina Fasos noch weit verbreitet. Sie wird vor allem von den Mossis, die ihre Heimatregion verlassen und sich in anderen Teilen des Landes oder in der Elfenbeinküste niedergelassen haben, bis heute praktiziert. Mädchen der ausgewanderten Familien werden im Alter von 17 oder 18 Jahren in die Heimatregion begleitet und dort ihren Ehemännern vorgestellt. Manchmal werden sie sogar zur zweiten oder dritten Frau. Andererseits werden Mädchen der Mossiregion mit Mossimännern in der Elfenbeinküste verheiratet. Grund für diese Arrangements ist es, die Verbindung zur Heimat nicht abbrechen zu lassen.

Für junge Leute, Mädchen und Jungen, die dem nicht immer zustimmen, gibt es nur wenige Alternativen. Zwei junge Menschen, die sich selbst entschlossen haben zu heiraten und dadurch im Widerspruch zu den Alten der Familie stehen, können sich an die örtlichen Behörden wenden, die eine Vermittlerrolle ausüben. Vom Gesetz wird den jungen Menschen das Recht auf Selbstbestimmung zugesprochen. Dieses Vorgehen ist aber bei der eigenen Familie schlecht angesehen und wird verurteilt. Es kann nur zu einer friedlichen Lösung führen, wenn die Alten einlenken. Eine anderer Weg für die jungen Leute ist, gemeinsam aus der Ortschaft und der Region zu verschwinden. Es ist auffällig, wie häufig solche Paare sich in anderen Gegenden Burkina Fasos niederlassen.

Zunehmend bewegt auch die in manchen Ethnien Burkina Fasos praktizierte Beschneidung der Frauen die Gemüter. Viele Kampagnen und Projekte versuchen die Bevölkerung vor Ort zu sensibilisieren und aufzuzeigen, dass es besser wäre, die Praktiken der sogenannten Genitalverstümmelung aufzugeben. In persönlichen Gesprächen bekennen junge Menschen häufig, dass sie diese Praxis ablehnen. Doch wenn sie als junge Eltern für eine bestimmte Zeit den Hof verlassen und dabei ihre Töchter der Großmutter anvertrauen, hat die Großmutter alles für die Beschneidung arrangiert und sie durchführen lassen. Die Großmütter stehen in engem Kontakt mit den spezialisierten "Exciseusinnen", alten Frauen, die ihren Lebensunterhalt mit der Beschneidung verdienen.

Bei vielen Volksgruppen Burkinas ist die Beerdigungsfeier, die einige Wochen oder Monate nach der Beisetzung zu Ehren von Verstorbenen abgehalten wird, eine wichtige soziale Angelegenheit. Bei den Senoufos gilt sie als das zentrale Ereignis im Leben der Gesellschaft. Für drei Tage kommen alle zusammen: Verwandte und Bekannte, Nachbarn und Freunde der Familie, alle die sich in irgendeiner Weise mit dem Verstorbenen und dessen Familie verbunden fühlen. Hunderte von Leuten sind keine Seltenheit. Mit ihrer Teilnahme drücken sie ihre Solidarität mit der Familie aus. Mit Zeremonien und Riten wird der Verstorbenen gedacht. Tag und Nacht wird gefeiert mit Tanz und bei reichlich Essen und Trinken. Damit so ausgiebig gefeiert werden kann, muss Fleisch, Reis und Geld zur Verfügung stehen.

Manche Landwirte arbeiten ihr Leben lang für ihre eigene Beerdigungsfeier. Sie legen das erwirtschaftete Hab und Gut in Kühen und Ziegen an, zeigen aber wenig Verständnis dafür, ihre Kinder in die Schule zu schicken und für die Schulkosten aufzukommen. Aber später werden für ihre eigene Beerdigungsfeier fast alle Tiere geschlachtet. Je größer und beeindruckender die Feier, desto geschätzter wohl die Person. Darum sieht es oft aus, als sei es das Wichtigste im Leben, für die eigene Beerdigungsfeier zu arbeiten. Ein Leben lang schaffen und sparen, damit nach dem Tode die anderen richtig ausgiebig feiern können. Eine Einstellung, die bei jungen Menschen auf immer weniger Verständnis stößt.

Allerdings ist die Beerdigungsfeier heute nicht überall von so einer Bedeutung. Es gibt Ortschaften der Senoufos, in denen wegen der neueren gesellschaftlichen Gegebenheiten die Beerdigungsfeiern in kleinerem Rahmen abgehalten werden. Vorrang haben dort gute Schulbildung, effiziente Gesundheitsversorgung und verbesserter Hausbau.
Jüngere Leute wünschen sich ihr eigenes Fahrrad oder Mofa, ein Radio, die neuesten Musikkassetten. Dafür brauchen sie die finanzielle Unterstützung des ältesten Familienmitglieds, der die Ernteerlöse und finanziellen Gewinne aus dem Baumwollverkauf verwaltet. Da ist dann die Frage: Teilt er den Erlös mit Familienmitgliedern oder kauft er lieber Kühe und Ziegen, die später bei Beerdigungsfeiern verzehrt werden?

Es geht hier nicht darum, die Alten oder andere Kulturen zu verurteilen. Wichtig ist, nicht aus der westlichen Weltsicht Andersartigkeit und Verschiedenartigkeit zu beurteilen, zu bewerten und vielleicht sogar abzuwerten. Hier geht es vielmehr darum, das Konfliktpotenzial und Spannungen zwischen Jungen und Alten in einem anderen kulturellen Kontext aufzuzeigen und zu verdeutlichen!

Andreas Göpfert M.Afr. Juni 2002

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