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Afrikamissionare - Weisse Väter Ludwigsburger Str. 21 50739 Köln |
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Frischer Wind für das alte Europa |
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Europäische Staaten sandten einst Kolonisten nach Afrika. Gleichzeitig brachten Missionare das Christentum in bislang unbekannte Gegenden des afrikanischen Kontinents. Heute kommen Afrikaner aus wirtschaftlicher oder politischer Not nach Europa. Sie bringen ihre Kultur, ihre Lebensweise und auch ihr Christentum mit. |
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Eine unbekannte Welt mitten im europäischen Brüssel. Der Stadtteil Ixelles wird von vielen "Matonge" genannt, nach einem Viertel von Kinshasa, Kongo. Afrika mitten in Europa? Tatsächlich wird Europa immer multikultureller. In Brüssels Metro, in der Tram, im Bus und auf den Straße sind überall Ausländer anzutreffen, viele sind Afrikaner. In Brüssel wird jeden Sonntag die Eucharistie in 32 Sprachen gefeiert. In Matonge sind nur zehn Prozent der Einwohner Afrikaner. Aber an Wochenenden wimmelt es von afrikanischen Besuchern aus ganz Europa. Hier decken sie sich mit Lebensmitteln aus ihren Heimatländern ein. Die Läden hier bieten alles: Maniok, Jamknollen, Palmöl, getrocknete Insekten und vieles mehr, das Europäern ziemlich exotisch erscheint. Plakate an den Hauswänden werben für Veranstaltungen mit afrikanischen Musikern und Sängern. Reisebüros bieten Sonderflüge nach Afrika an, bis zu 70 Kilogramm Gepäck dürfen mitgenommen werden. Niemand fliegt heim zur Großfamilie, ohne etwas mitzubringen. Nach Brüssel mitgebracht haben die Afrikaner neben ihren Lebensgewohnheiten und ihrer Kultur auch ihre Religion. Die meisten von ihnen sind Christen. "Sie bringen eine neue Vitalität, einen neuen Wind in unsere ,alte und alternde Kirche", betonte der Weihbischof von Mechelen-Brüssel Jozef De Kesel anlässlich der Eröffnung des neuen pastoralen Jahres in der St. Michaelskathedrale von Brüssel. Dort trafen sich die ausländischen Gemeinden und ihre Leiter mit den Verantwortlichen des Bistums Brüssel zur Eucharistiefeier. Die "afrikanische" Pfarrei umfasst das Stadtgebiet von ganz Brüssel, denn die Afrikaner wohnen nicht in einem Ghetto sondern verteilt in der Stadt. Sie integrieren sich meist in eine der 117 örtlichen Gemeinden. Aber manchmal muss es eben doch etwas "afrikanisches" sein. Zuständig für die afrikanische Pfarrei ist der Afrikamissionar Karel Stuer. Er leitet das Zentrum "AMANI" (was in Kisuaheli "Frieden" bedeutet). Es ist fester Bestandteil imMosaik der Kulturen und Sprachen Brüssels und ist eine Initiative der Afrikamissionare (Weisse Väter) und der Gemeinschaften ausländischer Christen in Brüssel. Es ist ein Haus für alle Afrikaner. Hier treffen sie sich und knüpfen Freundschaften über die Grenzen ihrer Kultur hinaus. Sie kommen, um dort zu beten, aber auch um ihre Familienfeste zu feiern. In den Bürostunden ist immer jemand für sie da. Zwei Afrikamissionare, ein Picpus-Pater und ein Spritaner aus Kamerun arbeiten dort. Besucher wollen oft nur ihre Sorgen besprechen, erzählen, was sie auf dem Herzen haben. Viele kommen und berichten einfach von ihrer Not. Das Zentrum ist kein Sozialamt, trotzdem wird versucht, zu helfen und Lösungen für Probleme zu finden, zum Beispiel auch durch eine "Lebensmittelbank", wo gespendete Lebensmittel ausgegeben werden. Manche Hilfsgesuche können nicht erfüllt werden, aber Zuhören ist ein wichtiges Apostolat bei AMANI. Der Bedarf ist groß und oft kommt das Gefühl der Machtlosigkeit auf bei all den Notlagen. Aber selbst wenn keine Lösung gefunden werden kann, es tut gut, ein offenes Ohr und Mitgefühl zu finden. Freiwillige afrikanische Katechisten helfen denen, die getauft werden wollen bei der Vorbereitung, auch für die Erstkommunion oder die Firmung. Die Priester sorgen für die Ehevorbereitung oder sind in Trauerfällen für die Familien da. Viele Afrikaner mussten ihre Heimat aus politischen Gründen verlassen. Wer in einer Diktatur sagt, was er denkt, riskiert sein Leben. Viele wünschen sich, in ihre Heimat zurückkehren zu können, wenn möglich gleich heute. Doch nach einigen Jahren haben die meisten Kinder auf den europäischen Schulen. Da ziehen die Eltern vor, hier zu bleiben und ein Leben mit Einschränkung auf sich zu nehmen zum Wohl ihrer Kinder. Jeanne, eine Dentistin, stammt dem Kongo. Sie ist eine der Stützen des Zentrums AMANI. Vor vielen Jahren ist sie als Studentin nach Brüssel gekommen. Sie und ihr Mann, heute Physiklehrer an einem Gymnasium in Brüssel, konnten wegen des Bürgerkrieges nicht zurück. Ihre vier Kinder sind hier aufgewachsen. Jeanne kümmert sich mit einer von ihr gegründeten Organisation um Hilfe für Menschen im Kriegsgebiet im Osten Kongos. Vor Weihnachten fliegt sie wieder hin. Sie ist Mitglied des Elternkomitees von AMANI. Das befasst sich mit den Problemen der Jugendlichen, die oft ihre afrikanischen Wurzeln in Europa verlieren. Die Konsumgesellschaft und der Materialismus tun ihr zerstörerisches Werk. Möglichkeiten der Begegnung miteinander und mit Älteren helfen, die ursprünglichen kulturellen Wurzeln wiederzufinden. Auch als Christen können sie stolz auf ihr afrikanisches Erbe sein. Jede Initiative der Jugend wird unterstützt. Pfadfindergruppen sind ein Weg, junge afrikanische Leiter heranzubilden. Stolz auf das afrikanische Erbe zu sein lehrt auch Therese ihren Kindern. Therese ist aus Ruanda geflohen mit dem großen Flüchtlingstreck, der 1994 über die Grenze in den Kongo ging. Unterwegs und in den Lagern hat sie unbeschreiblichen Schrecken und Tod erlebt. Noch immer hat sie ihren Flüchtlingsstatus nicht bestätigt bekommen. Nach Ruanda zurück kann sie nicht, so wenig wie ihr Mann, ein ehemaliger Botschafter des Landes, der heute in Frankreich eine Anstellung bekommen hat als Lehrer. Therese ist froh über die Zuflucht, die sie in Brüssel gefunden hat. Ob ihr hier Rassismus begegnet ist? "Ja, aber nicht von den Einheimischen, sondern von Marokkanern", sagt sie. Doch sie müht sich um gute Beziehungen auch zu Muslimen. In der Pfarrei ist sie Pfarrgemeinderätin und auch in der Katechese der Kommunionkinder tätig. Ihre Kinder nahmen an einem besonderen Projekt von AMANI teil. Jedes Jahr werden belgische Familien gesucht, in denen junge Afrikaner ihre Ferien verbringen können. Da bilden sich Freundschaften und oft bleiben die Familien in Kontakt. Dann werden Familienfeste miteinander gefeiert, Geburtstage und andere Feste. Diese Initiative wächst stark durch Flüsterpropaganda. Das AMANI-Zentrum bemüht sich besonders um die Verständigung zwischen jungen Europäern und Afrikaner durch regelmäßige Treffen. Philipp de Vestele M.Afr. November 2004 |
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