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Afrikamissionare - Weisse Väter
Ludwigsburger Str. 21
50739 Köln
In Kontinente 6/2004

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Der Farbenglanz des Himmels

Keine alltäglichen Bibelbilder hat der Maler für die Wände der Bischofskirche in Bembeke, Malawi, geschaffen. Er hat Jesus und seine Zeit in eine afrikanische Welt versetzt.

Niemand würde in Bembeke, einem kleinen unscheinbaren Ort in den 2000 Meter hohen Bergen der Dedza-Salima Forest Reserve eine Bischofskirche vermuten. Der Ort 85 Kilometer südöstlich der malawischen Hauptstadt Lilongwe nahe der Grenze nach Mosambik scheint eher das Zentrum einer Landpfarrei zu sein. Aber hier hat der Bischof von Dedza seine Kathedrale. Das 15 Kilometer entfernte Dedza an der Hauptstraße entlang der mosambikanischen Grenze ist das Verwaltungs- und Handelszentrum der Region. 1959 wurde die Stadt, in der erst im Jahr zuvor eine Pfarrei errichtet worden war, zur Bischofsstadt. Aber die Bischofskirche des Bischofs von Dedza ist in Bembeke, dem ursprünglichen Sitz der Diözesanverwaltung. Es ist eine große Kirche, die eigentlich mehr einer ausgedehnten Landpfarrei dient.

Die Afrikamissionare hatten sich hier oben in den Bergen niedergelassen, weil es kühl und für Europäer angenehm war. Außerdem gab es unter der Bergbevölkerung mehr Christen als unten in der Ebene. 1910 wurde die Kirche gebaut. Der rote Backsteinbau ist gerade renoviert worden. Hell leuchten die abgesetzten weißen Fens-ter und Simse in der Nachmittagssonne. Mit den beiden viereckigen Türmen erinnert die Kirche ein wenig an eine französische Kathedrale. Hier baute die Mission auch Schulen, eine Lehrerausbildungsstätte und ein Krankenhaus. Damals war Dedza noch ein kleiner, unscheinbarer Ort mit einem heißen Klima. Erst später machten die Briten Dedza zum Sitz einer Distriktverwaltung.

An diesem Nachmittag ist es in der Kathedrale von Bembeke mucksmäuschenstill. Nur hin und wieder ist das Räuspern eines Mannes zu hören, der hoch auf einem Holzgerüst nahe an der Empore sitzt und an einem Bild malt. Eine nackte Glühbirne gibt dem Maler etwas zusätzliches Licht. Michael C. Kapalamula arbeitet gerade am letzten Wandbild der Kirche. Den ganzen Innenraum hat er schon ausgemalt. Fast zwei Jahre brauchte er und stellte in geduldiger Arbeit ganz allein ein Bild nach dem anderen fertig.

Wer heute den prächtig und farbenfroh ausgemalten Innenraum des Gotteshauses sieht, ist erst einmal überwältigt von den leuchtenden Farben und den geometrischen Dekorationen an Pfeilern und Bögen und an den Wänden der Seitenschiffe. Die geometrischen Muster haben zwei Assistenten nach den Vorgaben des Malers ausgemalt. Die 14 Kreuzwegstationen in den Seitenschiffen hat der Künstler selber gemalt. Die leuchtenden Acrylfarben sind überall direkt auf den präparierten Verputz der Wände aufgetragen.

Die Bilder von kreisrundem Format befinden sich an den Wänden des Mittelschiffes immer über den Pfeilern. Jedes dieser Bilder stellt eine Szene aus der Bibel dar, aus dem Leben Jesu und der jungen Kirche, und jedes Bild spricht für sich, denn die Gläubigen können oft nicht lesen und schreiben.

Die Darstellungen erläutern, was die Gläubigen immer wieder in den Lesungen aus dem neuen Testament, im Katechismus und in den Predigten hören. Es sind alles afrikanische Menschen, die auf diesen Kunstwerken abgebildet sind. Der Maler hat damit das Geschehen um Jesus herum nach Afrika versetzt. Er betont: "was Jesus uns gesagt hat, das muss ja auch heute hier in Afrika mit Leben erfüllt werden. Jesus muss lebendig werden in uns Christen, und er muss mit uns Afrikaner sein."

Das große Wandgemälde hinter dem Altar hatte der Künstler als erstes fertiggestellt. Im unteren Teil nimmt es Bezug auf die Heilige Familie, der die Kathedrale geweiht ist, und zeigt die weihnachtliche Szene der Krippe in Betlehem unter einem Regenbogen. Darüber ist die Gestalt des auferstandenen, verklärten Christus zu sehen, von dessen Armen Lichtstrahlen zur Erde hinuntergehen.

Der Künstler Michael C. Kapalamula stammt aus dem Dorf Msekanye, unweit von Dedza. Eigentlich war er Lehrer an der Grundschule. Schon als Kind hatte ihn das Malen fasziniert. 1993 begann eine nebenberufliche Zusammenarbeit mit Pater Claude Boucher, einem kanadischen Weissen Vater, der in Dedza eine Kunstschule begonnen hatte. 1999 wurde Kapalamula befördert und bekam eine Anstellung als Gymnasiallehrer in der Dedza Secondary School. Nach zwei Jahren gab er diese Arbeit auf und ist seitdem hauptberuflich als Maler tätig. Im Auftrag vom Bischof von Dedza, dem kanadischen Weissen Vater Monsignor Rémi Sainte-Marie, malte er unter anderem auch die Kapelle und den Empfangsraum des Bischofshauses aus. Der Bischof ist von den Bildern und Farben Kapalamulas ganz begeistert und fördert den Autodidakten. Wenn die Kathedrale fertig ausgemalt ist, will er ihm die Möglichkeit verschaffen, sich an einer Kunstakademie in Südafrika weiterzubilden. o

Hans B. Schering M.Afr. November 2004

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