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Afrikamissionare - Weisse Väter Ludwigsburger Str. 21 50739 Köln |
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Im Rhythmus der Djembe |
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Kein Musikinstrument hat in den vergangengen zehn Jahren die Phantasie so vieler Menschen ergriffen wie die westafrikanische Djembe. Trommelkurse an Volkshochschulen oder in Pfarreien sind nur ein Beispiel für den Erfolg. Wer es sich leisten kann, kommt des richtigen "feelings" wegen selbst vom anderen Ende der Welt nach Westafrika, um das Trommeln zu lernen. |
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Das dumpfe Dröhnen der Trommeln beginnt früh am Morgen. Die Anwohner der internationalen Trommelschule in Nungua haben sich mittlerweile daran gewöhnt. Stundenlang geht es im gleichen Rhythmus. Selten wird gewechselt. Meist wird im Vierertakt geübt. Die Trommelschule besteht aus einem großen Hof, der einer Ackerfläche oder einem Baugelände gleicht. Das Areal ist mit einer mannshohen Mauer aus Zementblöcken eingefriedet. In der Ecke zum Meer hin steht ein mit Gras gedecktes Abdach. Das ist das Schulgebäude. In einiger Entfernung gibt es eine kleine ummauerte Latrine. Das ist alles. Kein Baum, kein Strauch wächst auf dem Hof, nur hier und da etwas verdorrtes Gras. Symbol und Sehnsucht Im Schatten des großen Grasdaches sitzt eine Gruppe Weißer und junger Afrikaner in einem großen Kreis. Da ist es tatsächlich international: die Kursteilnehmer sind junge Leute aus Australien, Neuseeland, Kanada, USA und Israel. Ein etwa 50-jähriger Amerikaner ist dabei und eine Frau aus England, die noch etwas älter zu sein scheint. Eine junge Australierin hat sich die Haare zu afrikanischen Zöpfen flechten lassen. Das bekundet schon nach außen hin den Willen, in die afrikanische Welt einzutauchen. Alle Kursteilnehmer haben ihre eigenen Trommeln mitgebracht. Jeder hat wenigstens eine Djembe. Das ist das westafrikanische Instrument, das im vergangenen Jahrzehnt einen internationalen Siegeszug angetreten hat. Heute gilt es schon fast als die afrikanische Trommel schlechthin. Viele Menschen sehen in ihr ein Symbol afrikanischer Lebensfreude. Eine Djembe zu besitzen und darauf zu spielen, scheint Anteil am Lebensgefühl Afrikas zu geben. So hat sich eine richtige Industrie entwickelt, die Trommeln dieses Typs herstellt und in alle Welt verkauft. Auch in Europa wird fast ausschließlich die Djembe bei afrikanischen Trommelkursen gebraucht. Bei der Gruppe in Nungua haben allerdings auch einige Teilnehmer eine Zweittrommel, eine Kpanlogo, eine Widderhorn-Trommel. Bei ihr wird das Trommelfell mit Hilfe von sechs seitlich angebrachten Pflöcken befestigt und gespannt. Das ist eine traditionelle Trommel aus dem Süden Ghanas, die besonders an den Königshöfen gebraucht wird. Übung und Geschicklichkeit Im Kurs wird auch afrikanischer Tanz gelehrt. Da zeigt sich bald, wer körperlich geschickt und beweglich genug ist. Ein wenig mitleidig blicken die paar Zuschauer auf die unbeholfenen Bewegungen einiger Kursteilnehmer, die offensichtlich keinen Rhythmus im Blut haben. Sie bewundern allerdings eine junge Neuseeländerin und feuern sie mit ermunternden Zurufen an. Sie ist klein, schlank und äußerst gelenkig. Ihre Bewegungen sind natürlich und scheinbar mühelos. Fast zwei Stunden lang hat das halbe Dutzend afrikanischer Gehilfen die Trommelklasse und den Tanzlehrgang geleitet. Dann wird plötzlich das Hoftor aufgestoßen! Der Meister selbst kommt herein. Bekleidet mit einem weißen Bubu geht er selbstbewusst gemäßigten Schrittes auf das Abdach zu. Er begrüßt alle seine Schüler mit Handschlag und übernimmt gleich die Leitung des Kurses. Lange bleibt der Meister nicht. Er hat noch etwas zu organisieren. Seine Schüler sollen am Nachmittag im Dorf beim Tanz der alten Fischersleute ihr Können demonstrieren. Es ist Dienstag, der Feiertag der Fischer. Für die alten Leute ist dann Tanz im Dorf. Mitten am Nachmittag versammeln sich ältere Männer und Frauen auf dem Dorfplatz im Schatten eines Baumes. Eine Stunde wartet die Menge schon auf die angekündigte Trommelschule. Der Meister will zeigen, was seine Schüler gelernt haben. Die Teilnehmer seines Kurses sollen so etwas vom afrikanischen Dorfleben mitbekommen. Neben den älteren Leuten haben sich junge Mädchen und Kleinkinder als Zuschauer versammelt. Junge Männer sind nicht zu sehen, sie haben auch am freien Tag zu tun: Netze ausbessern, Außenbordmotoren überholen, Segel flicken. Die jüngeren Frauen sind zumeist schon mit der Vorbereitung des Abendessen beschäftigt. Ringsum ist das regelmäßige "tschok tschok tschok" der Stößel und Mörser zu hören, die Frauen stampfen das Getreide. Die Trommler aus dem Kurs lassen auf sich warten. Irgendwann fangen die Alten den Nachmittag an. Ein schneller Rhythmus wird geschlagen. Bewundernswert das Können, die Erfahrung und die Freude, mit der ein paar ältere Männer ihren Spezialinstrumenten einen dumpf klingenden, schnellen Rhythmus entlocken. Phantasie und Können Diese Instrumente sind schwarz lackierte Holzkisten, keine Trommeln. Sie sehen eher aus, wie ein überdimensionales Daumenklavier. Je nachdem, wo die flache Hand auf das Holz der Kiste trifft, ändert sich der Klang. Einige andere Männer schlagen den Takt auf kleinen Handtrommeln. Die alten Musiker sind Experten und die Menge der Zuhörer ringsum weiß ihre Kunst zu schätzen. Dann folgt ein Lied, Männer und Frauen singen abwechselnd im Chor, ein Vorsänger leitet immer wieder eine neue Sequenz ein. Danach wird das Trommeln lauter. Jetzt beginnt der Tanz. Zuerst geht nur eine der älteren Frauen in die Mitte. Sie folgt dem Rhythmus mit sparsamen Tanzbewegungen und Schritten. Eine zweite Frau gesellt sich hinzu, dann noch eine und etwas später auch ein Mann. Alle folgen mit grazilen Bewegungen genau dem Takt der Instrumente. Dazu singen einige Männer. Es müssen bekannte Lieder sein, denn auch von den jüngeren Mädchen singen viele den Text mit. Die kleineren Kinder stampfen und klatschen im Takt. Endlich fährt ein Auto vor und die Trommeln der Schüler werden entladen und vor einigen freigehaltenen Sitzen aufgestellt. Nach weiterem Warten erscheinen auch die Teilnehmer des Trommelkurses. Sie sind sich ihrer Wichtigkeit bewusst. Sie trommeln, wie sie es gelernt haben, exakt nach Einsatz, präzise und genau im Takt, wie ein Uhrwerk. Dazu singen sie ein Lied in der einheimischen Sprache. Bewunderung und Freude Zwei Mädchen fragen sich, ob die Weißen denn wohl wissen, was sie da singen. Natürlich wissen sie es nicht, sie sprechen kein Ga. Das Lied mit einem etwas zweideutigen Text haben sie in den Unterrichtstagen auswendig gelernt und dabei das Trommeln geübt. Die eingängige Melodie ist allen Dorfbewohnern bekannt und mit Sicherheit kennen die Umstehenden den Text. Die alten Leute verziehen keine Miene, lassen sich nichts anmerken. Nur die jungen Mädchen giggeln amüsiert über den Hintersinn des Gesangs und über die Unwissenheit der Weißen. Dann sind die Leute aus dem Kurs mit dem Tanz an der Reihe. Bewunderndes Raunen geht durch die Reihe, als eine der jungen Frauen mit einem Flick-Flack ihre Tanzdarbietung beginnt. Das ist zwar absolut nicht afrikanisch, aber es macht Eindruck. Die junge Frau ist sportlich, bei ihr stimmen die Bewegungen. Sie sind nicht so einstudiert, so angestrengt wie bei anderen aus der Gruppe. Deren steife unbeholfene Bewegungen verführt ein paar Mädchen unter den Zuschauern, mit spöttischen Bemerkungen darüber zu lästern. Doch die ältere Frauen fahren ihnen sofort über den Mund. Die athletische junge Frau aus dem Trommelkurs wird gleich von einer älteren Dorfbewohnerin zum Tanz nach der traditionellen Weise eingeladen. Schnell hat sie die Schrittfolge kapiert und die Menge applaudiert. Dann werden auch die anderen aus dem Lehrgang in die Mitte gebeten. Die jungen Männer sträuben sich, sie sind keine guten Tänzer. Aber sie machen die Gaudi schließlich mit. Da gibt es Gelegenheit zu brüllendem Gelächter bei den Zuschauern. Manche der alten Dorfbewohner suchen vergeblich das Gelache zu verbieten. Aber am Ende des Nachmittags sind doch alle zufrieden. Die Dorfbewohner drängeln sich um die Teilnehmer des Trommelkurses, um ihnen zum Abschied die Hand zu schütteln. Die lobenden Worte werden zwar nicht verstanden. Aber die fröhlichen Gesichter spiegeln etwas von der Freude wieder, die alle an diesem Nachmittag aneinander gesucht und gefunden haben. Hans B. Schering, Mai 2005 |
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