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Afrikamissionare - Weisse Väter Ludwigsburger Str. 21 50739 Köln |
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Der Staub der Freiheit |
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Grenzenlos scheint die Freiheit unter der tropischen Sonne zu sein. Immer mehr Menschen suchen das Abenteuer im Gebiet der Dogon im Südosten Malis. Dort, an dem großen Felsabbruch, der Falaise, wo die rotbraunen Klippen das Gebiet in Ober- und Unterland teilen, glauben Touristen noch etwas von dem "ursprünglichen" Afrika ihrer Phantasie suchen und finden zu können. |
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Eine Staubfahne kündet ein ankommendes Auto schon von einiger Entfernung an. Es ist ein allradgetriebenes, geländegängiges Fahrzeug einer Reiseagentur, stilgerecht im Zebramuster lackiert. Einige extra Aufbauten vermitteln den Eindruck von Safari und Abenteuer, wie der Kuhfänger vor der Motorhaube, die Suchscheinwerfer und hinten auf dem Gepäckträger des Daches Kanister mit Treibstoff und Wasser. Zwei junge weiße Männer sitzen vorn auf dem Dach. Mit entblößtem Oberkörper, die Arme erhoben, lassen sie ihre Hemden wie Fahnen im Fahrtwind flattern. Freiheit? Sie kommen sich vor wie die Könige der Wüste. Das Auto saust mit Karacho die Dünen hoch, der Sand wirbelt in einer riesigen Wolke auf. Die Freiheit genießen, Safari spielen! Mit den modernen Maschinen Europas die Wildnis Afrikas bezwingen! Was werden sie alles erzählen können von ihren waghalsigen Reisen, wenn sie wieder zu Hause sind. Manche der Agenturen, die die jungen Leute hier im westafrikanischen Mali an die Falaise bringen, werden von Weißen betrieben oder haben einen europäischen Manager. Sie kommen den Sehnsüchten ihrer Landsleute entgegen und versprechen Erfüllung. Einige Veranstalter lassen ihre Kunden in den Dünen von Ireli campen, damit sie "das wirkliche Afrika" erleben. Einen halben Kilometer weiter, im Dorf, wohnen die "Einheimischen". Nicht in Zelten, sondern in Häusern aus Steinen und Lehm, Häusern mit flachen Dächern, auf denen es sich in den heißen Nächten gut unter freiem Himmel schlafen lässt. Ein Trip nach Afrikas gilt für viele junge Menschen aus Europa als Hauch von Freiheit und Abenteuer. Noch sind die Zahlen der Touristen, die nach Mali kommen, vergleichsweise gering. Aber Touristen-Agenturen in Bamako, Hauptstadt Malis und in Ouagadougou, der Hauptstadt Burkina Fasos bieten an, den Menschen Europas etwas von der Freiheit zu verschaffen, die sie in Afrika zu finden hoffen. Eines ihrer speziellen Angebote führt in den Südosten Malis, in das Gebiet um die Falaise von Bandiagara, einem 200 Kilometer langen Felsabbruch, der das Land der Dogon in zwei Hälften teilt. Hier finden Besucher warmes Wetter, exotische Menschen, weite, scheinbar unberührte Landschaft und zahlreiche Möglichkeiten für Safari- und Abenteuerurlaub. Angeregt werden die Träume und Sehnsüchte von Reiseprospekten und Werbesendungen im Fernsehen: Ein bisschen Reise- und Abenteuerlust, etwas Geld in der Tasche und schon kann es losgehen. Bruder Wilfried Langer von den Afrikamissionaren, Weissen Vätern, lebt schon viele Jahre im Land der Dogon. Ihn verschlug nicht die Reiselust, sondern seine Berufung als Missionsbruder in diesen Teil Malis. Er hat nicht nur den Eselskarren "erfunden", sondern Schulen, Krankenstationen, Pfarrhäuser und Kirchen gebaut und immer wieder Brunnen gegraben. In seiner Werkstatt entstehen Schulmöbel und Dachstühle, Türen und Altäre. Und wenn ein Auto einmal nicht mehr so richtig will, dann hilft oft ein Blick von ihm unter die Motorhaube, den Fehler zu finden. Bei Bruder Wilfried ist etwas von einer Freiheit zu spüren, die er in Afrika gefunden hat, einer Freiheit, nach der viele in ihrem Leben vielleicht noch suchen. Manche hoffen sie im Land der Dogon, zu finden, wenigstens für ein paar Tage. Vor hunderten von Jahren wollten die Dogon schon ihre Freiheit, zogen sich vor Völkern
zurück, die sie bedrängten, entzogen sich der Zwangsbekehrung zum Islam. In dem Gebiet
der Falaise fanden sie Zuflucht und Heimat, verdrängten teilweise die Tellem, die dort
vorher siedelten, der Rest wurde einfach in das Volk der Dogon integriert. Eine Gruppe Touristen hat sich auf dem Markt von Tireli eingefunden. Die Toguna dort hat es ihnen angetan. Sie schauen, staunen, knipsen und zahlen einen Obolus an die alten Männer, die sich unter der Toguna aufhalten und als Fotoobjekte dienen. Die Fremdenführer nennen lachend die Preise für das Fotografieren: "Gib 20 Francs, gib 100 Francs". Für die alten Männer unter der Toguna sind die Touristenbesuche längst eine gute Einnahmequelle. Es ist heiß in den Felsen. Auf dem Markt stehen die Leute in der prallen Sonne. Nach einiger Zeit drängen sich die Besucher an die Wand eines der benachbarten Gebäude, um ein wenig Schatten zu suchen. Hier in Tireli baut Bruder Wilfried mit den örtlichen Katholiken eine neue Kirche. Die alte Lehmkirche ist zu klein geworden und soll durch eine größere aus Felssteinen ersetzt werden. Wichtig ist für Bruder Wilfried, dass die Kirche in dem Dorf nicht unpassend wirkt. Felssteine sind neben Lehm ein ortsübliches Baumaterial. Ein Wellblechdach soll den Kirchenraum einmal vor den Sturzfluten der Regenzeit schützen. Es wird von weitem nicht zu sehen sein, der Bauplan sieht ein abgeflachtes Dach vor, das von einer erhöhten Brüstung aus Natursteinen umgeben ist. So wird das Dach den Gesamteindruck des Dorfes nicht stören, und die Kirche wird aus der Ferne ebenso schwer zu entdecken sein wie die Häuser der Dogon. Die Falaise gehört zum Nationalen Kulturerbe Malis, da muss sich eigentlich jedes neue Gebäude in das Gesamtbild einfügen. Doch nicht jede Hilfsorganisation und nicht jede Kirche hält das für nötig. Grell gestrichene Lagerschuppen und blitzende Wellblechdächer einiger Baptistenkirchen tun den Augen weh. Bruder Wilfried will sich an die Regeln des Nationalparkes halten, wonach kein Gebäude erlaubt ist, das nicht mit der Umgebung harmoniert. Die Dörfer der Dogon sind in der Tat aus der Ferne nicht einfach zu entdecken. Die Häuser schmiegen sich wie Schwalbennester an die rotbraunen Felswände, typische Bauten aus braunem Lehm und daneben hohe viereckige Vorratshäuser mit spitzem Runddach aus Holz und Gras. Dazwischen Akazien und hin und wieder ein Baobab, ein Affenbrotbaum, der überall dort wächst, wo Menschen leben oder früher einmal gesiedelt haben. Im Dorf selber ist kaum noch irgendwo eine jener geschnitzten Türen zu entdecken, für die die Dogon berühmt sind und die in fast allen Katalogen der Reiseunternehmen gezeigt werden. Viele dieser Türen sind schon von Touristen gekauft, einige auch einfach gestohlen worden. Im Internet sind manche für 5000 Dollar zu haben. Die Lehmhäuser des Ortes haben meist ein Flachdach, zwischen den Häusern führen Pfade und unregelmäßige Felsstufen zum Zentrum des Ortes, zum Markt, wo die große Toguna steht. Hier ist es noch eine Toguna mit Schnitzwerk. Viele dieser offenen Palaverhäuser der Männer haben heute schon nicht mehr die eigentlich typischen geschnitzten Pfeiler, sondern nur noch einen Stamm mit Astgabel als Stütze. Die geschnitzten Pfeiler werden ebenfalls gestohlen oder "aufgekauft". Sie landen in den berühmten Museen Amerikas und Europas. In Tireli sind einige Pfeiler der Toguna aus Lehm geformt und mit plastischen Verzierungen versehen. Die Lehmverzierungen der Plattform, auf der die Toguna steht, sind teilweise bemalt worden, man ist den Touristen etwas schuldig. Der Katechist von Tireli und seine Frau haben einen guten Nebenverdienst in den Touristen gefunden. Bei ihrem Haus gibt es gekühlte Getränke und schattige Plätze zum Ausruhen. Die Frau des Katechisten hat ein Mittagessen gekocht, das sie den Besuchern verkauft. Tische und Stühle im Schatten einiger Bäume sind das Restaurant. Das Essen wird in Plastikschüsseln und auf Aluminiumtellern serviert. Gekühlte Cola, Fanta und Flag, ein gutes Flaschenbier, werden als Getränke angeboten. Der Katechist verdient als Wirt an den "verrückten Weißen" den Großteil seines Lebensunterhalts. Er und seine Frau haben sich so gut wie möglich auf die Wünsche der Touristen eingestellt. Dass jene sich für afrikanische Verhältnisse unschicklich benehmen, scheint ihn nicht zu stören. Er sagt jedenfalls nichts zu den weißen Männern in zu kurzen Hosen und verschwitzten T-Shirts. Auch die manchmal etwas "merkwürdig" gekleideten weißen Frauen veranlassen ihn nicht, die Augenbrauen hochzuziehen. Manche Touristen halten Siesta auf mitgebrachten Schaumstoffmatten im Schatten der
wenigen Bäume. Nebenan unterhalten und diskutieren die afrikanischen Begleiter der
Touristen angeregt an ihren Tischen. Die Touristen selber sitzen oder liegen da und
schweigen. Sie ignorieren auch die beiden Jugendlichen, die mit einigen Souvenirs
vorbeikommen, sind nicht interessiert an "echten alten Fetischen". Die
Weltreisenden starren ins Leere, leiden unter der drückenden Mittagshitze und schwitzen
vor sich hin. Sie wirken gar nicht mehr "cool". Eher echt voll fertig:
Vielleicht sehnen sie sich nach der klimatisierten Lounge im Hotel in Sangha. |
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