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Afrikamissionare - Weisse Väter Ludwigsburger Str. 21 50739 Köln |
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Dürres Land |
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Im Dogon-Land in Mali bohrt eine Firma in Zusammenarbeit mit der Regierung und der katholischen Mission Tiefbrunnen für notleidende Dörfer. Den Brunnen, aus dem Wasser dann geschöpft werden kann, müssen die Leute selber bauen und pflegen. Der Afrikamissionar Bruder Wilfried Langer hilft ihnen beim Bau der Brunnen mit Material und Transport und mit Fachwissen. |
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Der Protestschrei des Kamels ist nicht zu überhören. Jedes Mal, wenn der kleine Junge im Sattel des Kamels das Tier erneut antreibt, tut es seinen Unwillen kund. Dann trabt es aber doch langsam los. Ein am Sattelhorn befestigte lange Leine strafft sich, die Leine läuft über eine Zugrolle am Brunnen. Am anderen Ende der Leine hängt ein Sack aus Leder, der sich im Brunnen mit Wasser gefüllt hat und nun hochgezogen wird. Sobald der prall gefüllte Sack oben ankommt, greift eine der Frauen zu und leert das Wasser in einen Trog aus dem Ziegen, Schafe und Kühe trinken. Dann wendet der kleine Junge mit dem Kamel, der Ledersack wird wieder in den Brunnen geworfen und die Prozedur beginnt erneut. Es geht hier in Pel im Südosten Malis fast den ganzen Tag so, jeden Tag. Ein paar Kilometer davon entfernt arbeitet ein Bohrtrupp mit großem technischen Gerät. Er ist Teil eines Brunnenbauprojektes, das in der Dogon-Ebene von der katholischen Mission durchgeführt und von der französischen Entwicklungshilfe finanziert wird. Es hat lange gedauert, bis das Projekt starten konnte. Die verschiedenen Ebenen der Verwaltung wollten alle ein Wort mitreden und mitverdienen. Die Leute aus dem kleinen Dorf nebenan haben Zeit, Arbeit gibt es in der Trockenzeit nicht viel und hier geht es um "ihren Brunnen". Also lassen sie sich gleich neben der Arbeitsstelle des Bohrtrupps nieder und beobachten neugierig, was die Techniker mit den großen Maschinen tun. Alle hoffen, dass die Bohrung erfolgreich sein wird. Das würde ihr Dorf von einer großen Sorge befreien. In der Trockenzeit ist Wasser in der Savanne knapp. Bäche und Flüsse, die in der Regenzeit die große Menge Wasser kaum abfließen lassen können, sind ausgetrocknet. Für die längste Zeit des Jahres sind Brunnen die einzigen Wasserquellen für Mensch und Tier. Doch gutes Wasser ist in der Ebene der Dogon rar. An vielen Orten ist das Grundwasser zwar nahe der Oberfläche. Machmal ist es schon in fünf Meter Tiefe zu finden. Gute Brunnen sind aber ständig in Gefahr, zu stark benutzt zu werden. Irgendwann versiegen sie und es dauert Jahre, bis wiederum genügend Wasser eingesickert ist und sich der Grundwasserspiegel hebt. Es ist ein Teufelskreis mit dem Wasser. Wird zu viel Wasser verbraucht, schadet das auch der ohnehin schon stark strapazierten Vegetation. Durch Brunnenbau ist Viehhaltung heute selbst in solchen Gegenden Malis möglich geworden, die früher wegen Wassermangel von den Viehhirten gemieden wurden. Heute werden Landstriche durch Übergrasen und durch zu viel Grundwassernutzung zur Wüste. Die Dogon sind zwar Ackerbauern, haben aber unter den Viehherden der Peul zu leiden. Die Hirten ziehen mit immer größeren Herden auf der Suche nach Futter und Wasser auch durch das Land der Dogon. Eine angepasste Viehzucht gibt es nicht mehr. Je mehr Kühe jemand bei den Peul besitzt, desto angesehener ist er. Hilfsorganisationen haben das Vieh geimpft, so dass es Krankheiten besser widerstehen kann. Früher wären erkrankte Tiere einfach verendet oder geschlachtet worden. Geschlachtet werden die Tiere nur, wenn sie nicht mehr laufen können. "Der Nomade springt dem Regen nach", berichtet der Afrikamissionar Pater Josef Sparn, "die Hirten ziehen immer dorthin, wo es Wasser gibt". Würden die Tiere rationell gehalten, könnte mit der Hälfte des Viehs das Doppelte erzielt werden, meint er. Das Wasser in der Ebene ist oft salzig. Das nachsickernde Wasser schwemmt Mineralien aus dem Gestein. Bei manchem alten Brunnen ist das Wasser nicht einmal mehr für die Tiere trinkbar. Auch für der Bewässern der Trockenzeitgärten lässt sich dieses Wasser kaum nutzen. Vom Trinkwasser aber hängt die Gesundheit und das Überleben der Menschen ab. Der französische Ingenieur Jacques Giacommetti beaufsichtigt zwei Bohrtrupps, die mit französischen Maschinen und Gerät arbeiten. Eine Bohrmaschine wiegt allein 24 Tonnen. Seit drei Jahren ist der Bohrmeister mit seinen Leuten unterwegs. Die Truppe ist zu einem eingespielten Team geworden. Jeden Tag sind die einheimischen Techniker acht Stunden lang an der Arbeit. Der Ingenieur ist auch nach der täglichen Arbeitszeit noch mit dem Projekt beschäftigt. Abends studiert er Landkarten und vergleicht Messergebnisse, die ihm die besten Standorte für die Durchführung von Tiefenbohrungen geben. Eine Brunnen kostet 15000 Euro. Da möchte er Fehlbohrungen möglichst vermeiden. Bei diesem Projekt werden tiefer liegende Grundwasservorkommen angebohrt, die sich vor hundertausenden von Jahren unter bestimmten Erdschichten gebildet haben. Diese Wasservorkommen füllen sich nicht wieder so auf, wie das Grundwasser, das in der Nähe der Erdoberfläche zu finden ist. Irgendwann wird der Vorrat an Wasser beendet sein. Das Projekt im Dogonland war ursprünglich auf 80 Bohrlöcher beschränkt, wurde inzwischen aber auf 120 erhöht. Der Wasserspiegel liegt in unterschiedlichen Tiefen, mal in 35, mal in 60, mal in 100 Meter Tiefe. Die heutige Bohrung ist sogar 103 Meter tief gegangen. Auf Wasser stießen die Bohrleute schon bei 35 Meter. Die Pumpe soll bei 75 Meter in das Bohrloch eingesetzt werden. Dann wird 72 Stunden lang gepumpt und gemessen, wieviel Wasser das Bohrloch bringt. Manche Bohrungen bringen nur 650 Liter, andere haben 2000 Liter in der Stunde. Oft wird später eine Pumpe mit Fußbetrieb auf das Bohrloch gesetzt. Doch diese Pumpen haben gewöhnlich keine lange Lebensdauer, weil sie unsachgemäß behandelt werden und zur Wasserverschwendung verleiten. Vielfach ist man dazu übergegangen, neben dem Bohrloch einen Brunnenschacht zu graben. Der Brunnen dient als eine Art Zisterne, ist zwei Meter weit und 50 bis 60 Meter tief. Das Wasser wird mit einer elektrischen Pumpe aus dem Bohrloch gefördert und in die Zisterne geleitet. Der Strom dafür wird mit Solarzellen gewonnen. Diese Art von Pumpen erfordern nur wenig Wartung und braucht von den Leuten im Ort nicht bedient zu werden. Wer Wasser holen will, bringt seinen Strick und Eimer mit und zieht das Wasser auf traditionelle Weise aus der Zisterne. Die Leute, die ein Bohrloch erhalten, müssen die Brunnenschächte selbst bauen. Die Mission stellt die eiserne Ausschalungsform dafür zur Verfügung, außerdem gibt Bruder Wilfried Langer von der Mission in Pel die notwendigen technische Anweisungen. Wenn er mit seinem Lastwagen Sand und Kies bringt, schaut er danach, ob bei der Arbeit alles richtig läuft. Weiteres Baumaterial und die Arbeit wird von den Leuten in den Dörfern selber erbracht, und sie zahlen auch die Hälfte des Zements. Das alles trägt dazu bei, dass es am Ende "ihr" Brunnen ist, in den sie Geld und Mühe investiert haben. Jeder wird später interessiert sein, dass das Wasser vernünftig genutzt wird. Hans B. Schering, Juli 2005 |
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