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Afrikamissionare - Weisse Väter Ludwigsburger Str. 21 50739 Köln |
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Am Ende der solzialen Leiter |
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Trotz aller Probleme versuchen Menschen ein möglichst "normales" Leben zu führen, auch in den Shanty-Towns, den Hüttensiedlungen afrikanischer Industriestädte. Pater Reinhold Bloching, ein Afrikamissionar aus der Diözese Rottenburg, ist Pfarrer in New Kaloko, einem Vorort Ndolas im sambischen Kupfergürtel. Er kennt die Probleme der Menschen, weiß auch, wie sie Hunger und Krankheit möglichst lange verstecken und doch jeden Tag damit fertig werden müssen. |
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Das Wochenendseminar für die Laienmitarbeiter der Pfarrei New Kaloko fällt aus, der Pfarrsaal bleibt fast leer. Der Pfarrer, Pater Reinhold Bloching, ein Afrikamissionar, ist weder überrascht noch enttäuscht. In dieser Shanty-Town von Ndola im sambischen Kupfergürtel, klappt nicht immer alles so, wie der europäische Pfarrer es sich vielleicht vorstellt. Heute sind die meisten freiwilligen Mitarbeiter der Pfarrei, die etwas über pastorale Betreuung lernen sollten, weggeblieben. Die Regenzeit steht bevor, schon hat es die ersten Schauer gegeben. Die Leute finden es wichtiger, auf ihre Felder vor der Stadt zu gehen und das Land für die Aussaat vorzubereiten. Die nächste Ernte muss gut werden, sonst wird es eine Katastrophe geben. Nach der Missernte des vergangenen Jahres herrscht Hunger in vielen Häusern, die Vorräte sind aufgebraucht und Geld für den Kauf von Maismehl ist knapp. Viele Einwohner von Kaloko können sich kaum eine Mahlzeit am Tag leisten. Aber irgendwie haben sie es bisher geschafft zu überleben. Manche haben dafür sogar das Wellblech von ihrem kleinen Häuschen verkauft und das Dach mit alten Plastikplanen, Pappkartons und Dosenblech gedeckt. Nur Schutz vor Regen dürften diese Dächer kaum noch bieten. Trotz aller Probleme, die Freundlichkeit der Menschen ist nicht geheuchelt: "Wir haben nichts zu essen, wir haben keine Arbeit. Aber wir lassen uns die Freundlichkeit nicht nehmen." Das täuscht aber auch über eine dramatische Situation hinweg. Nur wer genau hinschaut, wird die Hungersituation bemerken. Die Probleme werden versteckt. Zusammen mit Aids kostet der Hunger vielen Menschen das Leben. Die Folgen von Aids sind schon fast alltäglich. Jeden Tag gibt es mehrere Beerdigungen. Gleich neben dem Pfarrhaus wohnt Familie Mwebe, die nur noch aus fünf Jungen besteht. Vater und Mutter sind an Aids gestorben. So gut es geht, versorgen die älteren Brüder die jüngeren. Eine Familie, die noch vollständig wäre, gibt es in Kaloko kaum. "Pater, vergiss nicht, mir die Sterbesakramente zu geben, wenn es Zeit ist", begrüßt Frau NaMulenga Mushili den Pfarrer, der statt des Seminars eine Runde durch das Viertel geht. Die Frau lebt erst seit einigen Monaten in Kaloko. Als ihr Mann starb, verkaufte der Vermieter ihres Hauses Land und Haus an einen neuen Besitzer. NaMulenga Mushili musste mit ihren fünf Enkelkindern ausziehen und fand hier in Kaloko eine neue Bleibe. Ihre neun Kinder waren alle schon vorher gestorben, jetzt sorgt sie allein für die überlebenden Enkelkinder. Sie treibt ein wenig Handel und verdient am Tag kaum genug, um für sich und ihre Enkel Maismehl für eine Mahlzeit zu kaufen. Den Pater kennt hier fast jeder, und er hat für alle einen Gruß, erkundigt sich nach der Familie oder fragt nach den Preisen für Holzkohle und Mais, die auf kleinen Ständen an der Straßenseite verkauft werden. Er hört sich die Sorgen der Leute an, verspricht die Anliegen der Bittsteller dem Pfarrgemeinderat vorzulegen. "Wer hier in Kaloko angekommen ist, der weiß, dass er eigentlich auf der sozialen Leiter nicht mehr tiefer fallen kann", sagt Pater Bloching. Und gerade deshalb ist es ihm wichtig, dass den Leuten ihre Würde und die Selbstachtung nicht verloren gehen. 17000 Einwohner hat New Kaloko, etwa 3000 gehören zur katholischen Pfarrei St. John Baptist. Die Pfarrei ist der Garant für ein wenig Hoffnung in diesem Stadtviertel und der Motor für kleine Projekte. Der Pfarrer und der Pfarrgemeinderat ergreifen die Initiative, wenn irgendwo Hilfe gebraucht wird. Es ist meist Hilfe in ganz kleinem Rahmen. Die Leute erwarten keine Wunder und nichts, das über ihre Verhältnisse hinausgeht. Hier planen nicht Organisationen über die Köpfe der Menschen hinweg, die Leute planen selber. Pater Bloching hat die Gabe, Gemeindemitglieder auch in der scheinbar aussichtslosen Situation dazu zu bewegen, etwas für die Gemeinschaft zu tun. So baute die Pfarrei mit geringer finanzieller Unterstützung von außen das "Bupe Mulenga Jugend Trainingszentrum" auf. Es vermittelt Grundkenntnisse im Maurer- und Schreinerhandwerk. Ein Kreis junger Frauen lernt Nähen. Nähmaschinen gibt es nicht, jede Naht wird mit der Hand genäht. Andere lernen das Alphabet, lernen Rechnen für den Alltag, was eben in Kaloko so gebraucht wird, damit die Leute sich selber weiterhelfen können. Ndola war einst das Herz der Kupferindustrie Sambias. Kupfer war das "rote Gold", der Reichtum Sambias. Heute ist Ndola eine etwas heruntergekommene Industriestadt. Seit die Welt-Kupferpreise in den Keller gesunken sind, ist es mit Sambias Reichtum nicht mehr weit her. Der Erzabbau bringt kaum noch Gewinne, Arbeitsplätze gibt es immer weniger. Übrig bleiben die arbeitslosen Menschen in den Vorstädten. Dort wohnen sie gleich neben den Ruinen einer einst blühenden Industrie. Tausende sitzen arbeitslos herum, vertreiben sich die Zeit auf dem Markt, manch einer verfällt dem billigen Alkohol. "Das Einzige, was hier auch ohne Entwicklungshilfe von selber entsteht, sind Kirchen, kleine Geschäfte und Bierbars", erklärt Pater Bloching. Tatsächlich gibt es zahlreiche Kirchbauten, kleine Lehmkirchen und Versammlungsräume verschiedenster Sekten. Unweit der katholischen Kirche steht die Kirche der lutherischen United Church of Zambia. Pater Bloching hat in Deutschland Unterstützung für diesen Kirchbau beschafft. Er teilte einer deutschen evangelischen Gemeinde mit, dass ihre Brüder und Schwestern die Kirche nicht fertig bekommen könnten. Die Hilfe aus Deutschland kam prompt. Jetzt möchte auch der Pfarrer des pfingstlerischen "Assembly of God" Hilfe vom katholischen Pfarrer haben. Andere, wie die Zeugen Jehowas, gehen lieber auf etwas mehr Distanz. Gleich hinter dem katholischen Pfarrzentrum wohnt ein so genannter "Zauberer", mindestens ein Dutzend seiner Art soll es im Viertel geben. Die Heiler und Zauberer haben Hochkonjunktur, denn die Menschen leiden Hunger und fühlen sich auch seelisch krank, vom Schicksal getroffen. Darum gehen sie zum Zauberer, bleiben manchmal fast eine Woche für die Behandlung. Der Zauberer versucht durch Gespräche, Beobachtung und Zuhören etwas herauszufinden über die Person und ihre Lebenssituation. Die junge Frau, die mit ihren Kindern gerade zur Beratung dort ist, trägt ein Tuch mit der Aufschrift "Catholic Womens Organisation". "Viele Leute fahren zweigleisig", meint Pater Bloching, "sie gehören zu einer Kirche, sehen aber im Notfall kein Problem darin, einen Zauberer zu konsultieren." Manche Männer suchen Hilfe eher in den Bierbars. Vor einer Bar am Markt trifft der Pater einige seiner Schäfchen wieder, die ihre Zeit zum Biertrinken nutzen, statt zum Seminar zu kommen. Das Bier und der illegal gebraute Schnaps lassen Hunger und Arbeitslosigkeit für kurze Zeit vergessen. Pater Hans B. Schering, Januar 2003 |
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