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Länderbericht: Demokratische Republik Kongo Objekt der Begierde |
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Die Menschen im Kongo leben in einem Land, das unschätzbare Reichtümer in sich birgt. Das ist das Problem, das sie arm macht. Weltkonzerne, Rebellenfürsten und Abenteurer strecken ihre Finger nach den Schätzen aus. Sie scheuen auch vor Gewalt nicht zurück. |
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Als Sklavenlieferant hatte das heutige Territorium der Demokratischen Republik Kongo jahrhundertelang herhalten müssen. Europäer kauften an der Atlantikküste Sklaven. Arabische Händler jagten im Landesinneren und trieben ganze Karawanen von "Menschenmaterial" entlang des Nils nach Norden sowie durch das heutige Tansania zum Indischen Ozean. König Leopold von Belgien nutzte 1885 die Chance, als Wohltäter der Menschheit gegen den Sklavenhandel aufzutreten und legte sich den Kongo als private Kolonie zu. Sein Augenmerk galt aber den begehrten Reichtümern wie Kautschuk, Elfenbein, Kupfer, Gold und Diamanten. So unzivilisiert ging der König vor, dass er 1908 auf internationalen Druck den Kongo dem belgischen Staat überlassen musste. Von da an überwachte Belgien die Ausbeutung der Rohstoffe. Mit Hilfe der katholischen und protestantischen Kirche wurde eine funktionierende medizinische Versorgung aufgebaut und ein Grundschulsystem, das in Afrika als vorbildlich galt. Doch war der Kongo in keiner Weise auf eine Selbstständigkeit vorbereitet, als er 1960 überstürzt in die Unabhängigkeit entlassen wurde. Heute leben in der Demokratischen Republik Kongo etwa 58 Millionen Menschen aus mehr als 200 Ethnien. Die Bantus sind die mit Abstand größte Volksgruppe. Verwaltungssprache ist Französisch, die Umgangssprache Lingala ist außerhalb des Kongo besonders durch die moderne kongolesische Musik bekannt geworden. In den östlichen Gebieten wird auch eine eigene Art des Kisuaheli gesprochen. Kampf um ein reiches Land Mehr als die Hälfte der Bevölkerung bekennt sich zur katholischen Kirche, etwa ein Viertel ist protestantisch, ein Zehntel gehört zu den Kimbanguisten, einer protestantischen Sekte kongolesischen Ursprungs. Die Missionsarbeit der katholischen Kirche begann in der Neuzeit etwa um 1880. Schon im 16. Jahrhundert hatte es erste Erfolg versprechende Kontakte durch die Portugiesen gegeben. Aber das abschreckende Verhalten der Europäer machte anfängliche Erfolge bald zunichte. Von der Atlantikküste erstreckt sich das Staatsgebiet der Republik Kongo bis an die Seen des afrikanischen Grabens in Ostafrika. Wo der Kongo-Strom in den Atlantik mündet, besitzt der riesige Staat mit einem Küstenstreifen von 40 Kilometern Länge einen Zugang zum Meer. Der Strom hat wegen der Wasserzuflüsse nördlich und südlich des Äquators das ganze Jahr über gleichen Wasserstand und ist eine ideale Energiequelle für die Stromversorgung des Landes mit Wasserkraft. Nach dem Abzug der Kolonialherren machten sich kongolesische Politiker wie Kasawubu und Lumumba an den Aufbau eines Staatswesens. Allerdings blieb die wirtschaftliche Macht bei dem großen Bergbau- und Wirtschaftskonzern Union Minière, dessen Ziel die unbehinderte Ausbeutung der Rohstoffvorkommen war. Der erste Ministerpräsident, Patrice Lumumba, wurde ermordet. Aus den Bürgerkriegen und den verschiedenen Putschversuchen der turbulenten Anfangsjahre der jungen Republik ging General Josef Mobutu als Sieger hervor. 1965 übernahm er die Macht und gab sie bis 1997 nicht wieder ab. Sein Regime zeigte sich von Anfang an als treuer Verbündeter der westlichen Mächte, die es als Bollwerk gegen den Kommunismus in Afrika und als unverzichtbaren Rohstofflieferanten für ihre Industrie missbrauchten. Hemmungslose Ausbeutung Durch Mobutus Programm der Authenticité wurde nun aus dem Kongo der Zaire, die Menschen mussten ihre Namen "afrikanisieren". Plantagen und Industrie wurden enteignet. Als dann Investitionen ausblieben, verkam die Wirtschaft. Mobutu raubte den Staat hemmungslos aus. Bei seinem Tod galt er als einer der reichsten Männer der Welt, mit Milliarden Dollar auf Schweizer Bankkonten. In den 90er Jahren verfielen die Rohstoffpreise, Kupfer warf keinen Gewinn mehr ab. Doch es blieben noch Diamanten, Öl, Edelhölzer, Gold und der neue wichtige Rohstoff Coltan, ohne den moderne Technologie kaum denkbar ist. Hyperinflation zerstörte den Binnenhandel. Der Staat konnte Beamte und Lehrer nicht mehr bezahlen. Nach dem Völkermord im Nachbarland Ruanda 1994 und der Übernahme der dortigen Regierung durch die Freiheitsbewegung der Tutsis flohen anderthalb Millionen Hutus aus Ruanda in den Ost-Kongo. Ihre Ankunft sowie die Verfolgung der am Völkermord beteiligten Hutus durch die neue Armee Ruandas destabilisierten den Kongo. Von Ruanda unterstützte Revolutionstruppen marschierten im Mai 1997 in der Hauptstadt Kinshasa ein. Laurent Désiré Kabila übernahm die Macht. Doch rivalisierende Rebellen- und Interessengruppen, unterstützt von Ruanda und Uganda, führten wieder zu einem Bürgerkrieg, der bis heute andauert und in dem bislang bis zu drei Millionen Menschen starben. Die Hierarchie der katholischen Kirche wandte sich zu Mobutus Zeiten mit mehreren regimekritischen Hirtenbriefen an die Öffentlichkeit. Es gab viele Versuche von Seiten des Präsidenten, die Bischöfe durch Geschenke und Zugeständnisse für sich einzunehmen, im Allgemeinen aber ohne Erfolg. Kritische Stimme der Kirche Schon als einfacher Abbé hatte der spätere Kardinal Malula das Handeln Mobutus nicht kritiklos akzeptiert. Bei der Kampagne der Authenticité nahmen die Bischöfe eindeutig Stellung, und Malula ging ins Exil nach Rom. 1999 wurde im Bürgerkrieg Erzbischof Emmanuel Kataliko von Bukavu wegen seines Engagements unter Hausarrest gestellt. Sein Vorgänger Erzbischof Christoph Munzihirwa war 1996 auf offener Straße von Tutsi-Rebellen erschossen worden. Gerade in Krisenzeiten hat sich die Kirche als einzige einigermaßen stabile Institution erwiesen, die bei den Menschen bleibt und ihnen soviel Hilfe wie möglich zukommen lässt. Viele katholische Laien und Katechisten setzen sich aktiv für Menschenrechte und Frieden ein. Scheinbare Einheit Als Kabila im Januar 2001 ermordet wurde, übernahm sein Sohn Josef das Amt des Präsidenten. Auf vielen internationalen Konferenzen ist seitdem versucht worden, die politische Situation des Landes zu stabilisieren. Ruanda und Uganda haben offiziell ihre Truppen aus den von ihnen besetzten und ausgebeuteten Gebieten abgezogen. Eine Regierung der Nationalen Einheit wurde eingesetzt und die Rebellen in die Armee des Landes integriert. Rebellenchefs wurden Minister und Generäle. Doch unter dem Deckmantel einer scheinbaren Einheit bleiben die verschiedenen Gruppeninteressen, die sich gegenseitig blockieren. Die Verbrechen der vergangenen Jahre werden nicht aufgearbeitet, die Kämpfe zwischen verschiedenen Fraktionen gehen weiter. Hans B. Schering M.Afr. Februar 2005 |
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