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Nicht nur eine Laune der Natur |
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Naturkatastrophen, menschliches Fehlverhalten und mangelndes Interesse der Politik: Dürre und Not haben viele Ursachen. Kontinente nennt die wesentlichen Gründe für die grassierende Hungersnot im südlichen Afrika. |
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von Pater Wolfgang Schonecke M.Afr in Kontinente Januar 2003 Zwei Zahlen, die zur Verzweiflung bringen: Nach Berichten der Vereinten Nationen sind bis zu 30 Millionen Menschen im Süden und Osten Afrikas direkt vom Hunger bedroht. Auf der anderen Seite werden 6000 weiße Farmer in Simbabwe zwangsenteignet. Das bedeutet nicht nur einen katastrophalen Rückgang in der Nahrungsmittelproduktion in einem Land, in dem Menschen schon jetzt an Hunger sterben. Für 232000 landwirtschaftliche Arbeiter bringt das auch den Verlust ihres Arbeitsplatzes mit sich. Der technologische Fortschritt verleitet uns zur Annahme, so ziemlich alles unter der Sonne kontrollieren zu können. Nicht aber das Wetter. Schon die abendlichen Wetterprognosen gehen oft daneben. Die immer häufigeren Unwetterkatastrophen und deren Folgen für die Bevölkerung in Afrika sind noch weniger kontrollierbar. Manche Meteorologen meinen, Dürren hätte es in Afrika schon immer in periodischen Zyklen gegeben. Vor ein paar Jahren gab es das Phänomen "El Niño": Veränderungen in den Meeresströmungen verwandelten die Wüsten im Süden von Somalia in Seen, während in den regenreichen Hochländern Kenias die Regenzeiten ausblieben. Und doch sind es nicht nur "höhere Gewalten", die an Naturkatastrophen Schuld sind. Es muss auch mit menschlichem Versagen gerechnet werden. Joe Eberle, ein Weisser Vater, der die Entwicklungsprojekte der Diözese Chimoio in Mosambik leitet, verdeutlicht dies am Beispiel des Sambesi: "Dieser Fluss sammelt das Regenwasser eines riesigen Gebietes in Zentralafrika. In den vergangenen Jahrzehnten sind große Teile der Wälder gerodet worden. Das Resultat sind Dürre und Überschwemmungen." Wälder agieren wie gigantische Schwämme, die bei Regen enorme Wassermengen aufsaugen und langsam wieder abgeben. Ohne diesen Puffer fließen bei Wolkenbrüchen riesige Wassermassen zusammen und verursachen Überschwemmungen. In Trockenzeiten sinkt der Grundwasserspiegel, die Flüsse trocknen aus. Eberles Rezept heißt: Aufforsten und Wasser sammeln. Seit Jahren versucht er, die Menschen in Malawi und Mosambik anzuleiten, Gräben zu ziehen, Zisternen zu graben und kleine Dämme zu bauen, um das kostbare Wasser zu speichern. Und tatsächlich genügen manchmal solche simplen Maßnahmen und eine gute Regenzeit, um versiegte Brunnen wieder zu füllen. Schuld am Hunger in Afrika sind nicht nur die Launen der Natur, sondern auch die schier unersättliche Gier von Politikern. Präsident Robert Mugabe von Simbabwe scheinen der Hunger und das qualvolle Sterben von Mensch und Vieh keine schlaflosen Nächte zu bereiten. Er zieht sein Programm der Landenteignungen ohne Rücksicht auf die Konsequenzen durch. Eine Landreform in Simbabwe ist unumgänglich, wenn ein paar tausend weiße Farmer den größten Teil des fruchtbaren Bodens besitzen. Aber sie mit dem Zweck der eigenen Machterhaltung durchzuführen, noch dazu, wenn im Land zurzeit eine Hungersnot herrscht, ist geradezu kriminell. So setzt Mugabe auf die Anwendung sinnloser Gewalt, während ihm Alternativprogramme wenig bedeuten. Die Enteignungen werden das Land wirtschaftlich ruinieren und Tausende von Menschen das Leben kosten. Ähnlich ist die Situation im Nachbarland Malawi: Obwohl von allen Experten Missernten vorhergesagt waren, hat die Regierung von Präsident Bakali Muluzi die strategische Maisreserve des Landes verkauft. Die Priester der Diözese Lilongwe beschuldigten daraufhin den Internationalen Währungsfond, diesen Verkauf veranlasst zu haben und "makroökonomische Prinzipien über die Sicherung der Nahrungsmittelversorgung zu setzen" ein Vorwurf, den die Washingtoner Währungshüter entschieden zurückweisen. Präsident Muluzi war derweil damit beschäftigt, eine Verfassungsänderung durchzusetzen, die ihm eine dritte Amtsperiode ermöglichen soll. Lange leugnete er, dass es überhaupt ein Hungerproblem gibt. Bei Katastrophen sind es meist die Caritas und Pfarreien, die erste Hilfe bringen. Missionare und Orden appellieren an ihre Wohltäter zu Hause, um vor Ort Lebensmittel verteilen zu können. Aber deren Ressourcen sind schnell erschöpft, irgendwann stehen sie hilflos vor dem wachsenden Elend. Die Europäische Union und andere Länder haben Geldmittel freigesetzt. Aber bis über verstopfte Häfen und kaputte Straßen, vorbei an korrupten Beamten genügend Lebensmittel ihren Weg zu den verhungernden Menschen im Busch von Afrika finden, werden viele längst tot sein. Und wenn genug Menschen tot sind, werden uns die abendlichen Nachrichtensendungen Bilder servieren, die unsere Herzen zum Handeln bewegen. Wie wenig der Massenhunger in Afrika den Politikern bedeutet, zeigte der Welthungergipfel in Rom. Dort waren aus den Industrienationen nur zwei Staatschefs erschienen: Ministerpräsident Jose María Aznar aus Spanien und Gastgeber Silvio Berlusconi, der die Versammlung für ein Fußballspiel vorzeitig verließ. Eine Lösung der Versorgungsprobleme Afrikas wird es nur geben, wenn sich die
afrikanischen Staatschefs für das Wohl ihrer Völker verantwortlich fühlen. Und die G
8-Staaten müssen fairere Handelsbedingungen und einen massiveren Schuldenerlass
gewähren. |
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