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Afrikamissionare - Weisse Väter
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KONTINENTE - November/Dezember 2002

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Ressourcen, Segen oder Fluch?

Bodenschätze sind begrenzt, verwertbare tropische Produkte wachsen kaum nach. Darum machen Industrienationen und internationale Unternehmensgruppen Jagd auf vorhandene Ressourcen. Menschen und Umwelt scheinen dabei nur zweitrangig zu sein. Es gibt sogar die Behauptung, alle Kriege seien letztlich Wirtschaftkriege.

Einige Nachrichten der letzten Monate: Die Regierung von Botswana zwingt die letzten überlebenden Buschmänner, die Jahrhunderte in der Kalahari Wüste überlebt haben, in Sammellager umzusiedeln. – Kampfhubschrauber und lokale Milizen überfallen das Dorf Mankien im Südsudan, töten über hundert Menschen und vertreiben die Bevölkerung. – Nach katastrophalen Überschwemmungen vor zwei Jahren herrscht in Mosambik jetzt eine Dürre.
Was ist der gemeinsame Nenner dieser Katastrophenmeldungen? Der Kampf um Ressourcen: Gold und Diamanten, Erdöl und Mineralien, Land, Wälder und Wasser. Und wo immer Ressourcen knapp werden oder neue entdeckt werden, gibt es viele Interessenten, Kontrahenten und Konkurrenten.

Bei Bodenschätzen hören anscheinend die Menschenrechte auf. Warum sollte man die Bushmen, die mit großer Genialität in den unmöglichen Lebensbedingungen der Wüste überlebt haben, aus ihrer traditionellen Umwelt in Lager zwingen, wo sie an Depression und Alkohol zu Grunde gehen? Offiziell heißt es, etwas kolonialistisch klingend: Diesen zurückgebliebenen Menschen soll geholfen werden, in der modernen Welt zu überleben. Der inoffizielle Grund: Im Land der Bushmen gibt es Diamanten.

Ähnlich im Südsudan, da geht es um riesige Erdölvorkommen. Und wie Geier schwirren Schweden und Chinesen, Österreicher und Malayer, Kanadier und Russen um den Sudan, um möglichst große Konzessionen zu ergattern. Dass dort Menschen leben, wird ignoriert. Man schließt die Augen, wenn die sudanesische Luftwaffe mit Bombern und Hubschraubern Dörfer zerstören und den Südsudan langsam entvölkern. Sogar die friedlichen Schweden stellten dazu ihre konzerneigenen Landebahnen zur Verfügung und behaupteten, Arbeitsplätze zu schaffen und Entwicklung zu fördern. Menschenrechte gelten zu Hause, aber nicht für Menschen, die das Unglück haben, auf Bodenschätzen zu sitzen.
Manche behaupten, alle Kriege seien letztlich Wirtschaftskriege, Kämpfe um Ressourcen. Michel Chossudovsky argumentiert in seinem Buch: Global brutal, dass es selbst im Afghanistankrieg nicht nur um die Taliban und den Terrorismus ging, sondern auch um das Interesse der USA an der Ölförderung und der Pipelinehoheit in der Region.

In vielen Kriegen ist der Primat wirtschaftlicher Interessen evident. Wie der Masire-Bericht der UN demonstriert, geht es im Kongo-Krieg nicht – wie Ruanda und Uganda behaupten – um die Sicherheit nationaler Grenzen, sondern um die Plünderung der Ressourcen des Kongo: An Diamanten, Gold, Tropenhölzern und Coltan, einer hitze- und korrosionsbeständigen Kombination von Metallen, die inzwischen in jedem Handy zu finden ist, verdienen nicht nur die Nachbarstaaten. Eine deutsche Firma verdient am Coltanimport und amerikanische Bergbaukonzerne interessieren sich für Kupfer und Kobalt im Katanga. Vielleicht der Grund, weshalb westliche Medien die zwei bis drei Millionen Toten dieses ersten "afrikanischen Weltkrieges" kaum wahrgenommen haben.

Bodenschätze finanzieren auch die "kleinen" Konflikte, die Stammes- und Bürgerkriege. Der fast dreißigjährige Krieg in Angola wurde zunächst von den Großmächten des kalten Krieges finanziert. In den 90iger Jahren bezahlten die UNITA-Rebellen ihre Waffen mit Diamanten, die Regierungsarmee mit Öl. Dies kümmerte die Diamantenhändler in Antwerpen kaum, bis eine effektive Medienkampagne "Blutdiamanten" in ein schlechtes Licht brachte. Dass Diamanten nicht notwendigerweise Unglück bringen, beweist Botswana. Das Schürfen von Diamanten wird dort scharf kontrolliert. Die Einnahmen werden investiert und finanzieren das Erziehungs- und Gesundheitswesen des Landes.

Mehr noch als Diamanten und Erdöl wird in Zukunft Wasser zu einer begehrten Ressource und Ursache von Kriegen werden. Schon jetzt wird in vielen Ländern Trinkwasser knapp und multinationale Konzerne kaufen überall Wasserquellen auf. Das GATS-Abkommen der Welthandelsorganisation will alle Staaten verpflichten, Dienstleistungen, inklusive Wasserversorgung, zu privatisieren. Wenn Wasserressourcen von wenigen profitorientierten Großkonzernen kontrolliert werden, können wir uns ausrechnen, was wir für diese lebensnotwendige Ressource bezahlen werden. "Alles aus einer Hand", wie die Werbung einer Firma uns mit lieblichen Landschaften und lächelnden Kindern suggeriert, ist ein Rezept zu wirtschaftlicher Diktatur.

Immer wichtiger im Kampf um Ressourcen sind nicht nur Bodenschätze, sondern genetische Ressourcen der Millionen von Pflanzenarten, die wir in Europa schon fast vernichtet haben, und die wir jetzt den Menschen der Entwicklungsländer über Patentrechte wegnehmen. Die Medizinmänner und Frauen entdeckten über die Jahrtausende die Heilkräfte von Bäumen und Pflanzen und bewahrten diese Vielfalt. Jetzt jagen die Vertreter von Pharma- und Chemiekonzernen durch die Welt, dieses Wissen zu stehlen und für sich selber zu patentieren. "Bio-Piraterie" nennt man diesen versteckten Krieg um Ressourcen, mit denen Milliarden zu verdienen sind.

Das Dokument "Grenzen des Wachstums" des Clubs von Rom hat uns schon Anfang der siebziger Jahre klar gemacht, dass die Ressourcen unserer Welt begrenzt sind und nicht erneuerbar sind. Um unseren luxuriösen Lebensstil zu genießen, vergeuden wir gedankenlos, was kommende Generationen zum Leben brauchen, und obendrein zerstören wir die Umwelt, die uns das eigene Überleben ermöglicht. Der Umweltgipfel von Rio de Janeiro hat ohne großen Erfolg einen intelligenten, vorausschauenden Gebrauch von Ressourcen gefordert. Der Gipfel von Johannesburg appelliert noch eindringlicher, nicht durch den Missbrauch begrenzter Ressourcen uns selbst und unsere Welt zu zerstören. Die alte christliche Tugend des Maßhaltens war nie so aktuell wie heute.

Wolfgang Schonecke M.Afr. November 2002

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