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Unabhängig, aber nicht frei |
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Die ehemalige Kornkammer des südlichen Afrika ist in Not. Die andauernde Trockenheit hat in Simbabwe einen Teil der Landwirtschaft lahmgelegt. Hausgemachte politische Probleme und ein schwieriges Erbe aus der Kolonialzeit verstärken die Misere des Landes. 60 Prozent der Bevölkerung leben mittlerweile unterhalb der Armutsgrenze. |
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Der Präsident Simbabwes, Robert Mugabe, hat sich nie ganz zu einem vom Westen geliebten afrikanischen Führer entwickelt. Der Katholik, so genannte afrikanische Marxist und ehemalige Rebellenführer wurde von den westlichen Mächten stets misstrauisch beobachtet. Mugabe und die Patriotische Front hatten das Regime von Ian Smith besiegt, der Jahre zuvor eine einseitige Unabhängigkeit erklärt und mit der "Oberschicht" von weißen Siedlern das Land regiert hatte. Nach langwierigen Verfassungsverhandlungen übernahmen die ehemaligen Rebellen 1980 die Macht in Simbabwe, dem früheren Rhodesien. Der Guerillakrieg hatte zum Erfolg geführt. In der Folgezeit bauten Mugabe und seine Getreuen ihre Macht aus und gingen skrupellos gegen jede Opposition vor. In den Jahren nach der Unabhängigkeit litt das Land immer mehr unter Misswirtschaft, Korruption und einem zunehmenden Chaos, die Inflation erreichte astronomische Werte. Zu dem ungelösten Problem der einst versprochenen Umverteilung des Farmlandes kam in den vergangenen zehn Jahren eine Dürre im südlichen Afrika. Die Nahrungsmittelproduktion sank gefährlich. In der Bevölkerung wuchs die Unruhe. Bei den Präsidentschaftswahlen 2002 deutete sich ein möglicher Sieg der neu formierten Oppositionspartei MDC (Bewegung für demokratischen Wandel) an. Mit brutaler Macht gingen darauf Polizei und Armee gegen die erstarkende Opposition vor. Sie verhafteten die Führer der Opposition, verprügelten Anhänger und verbrannten ihre Häuser. Die Regierung des Präsidenten nahm immer diktatorischere Züge an. Kritik von außen und die wachsende Opposition im Inneren verhärteten die Politik Mugabes und seiner Partei nur. Die Regierung behinderte sogar die Verteilung von Nahrungsmitteln durch Hilfsorganisationen dort, wo Oppositionsanhänger leben. 2003 weitete sich die Hungersnot aus, doch der Staat importierte weniger als ein Drittel des benötigten Weizens. Bei Wahlen gelang es der Opposition Ende 2003, die meisten Bürgermeistersitze zu gewinnen. Für die Regierung war das Anlass, den Druck auf die Bevölkerung weiter zu verstärken. Heute macht sich Resignation im Land breit. Die freie Meinungsäußerung ist schon lange eingeschränkt, die letzte unabhängige Zeitung Daily News seit einigen Monaten verboten. Der Gipfel des Commonwealth suspendierte im Dezember 2003 die Mitgliedschaft Simbabwes wegen fortgesetzter Menschenrechtsverletzungen. Darauf kündigte Mugabe die Zugehörigkeit seines Landes zu dieser Staatengemeinschaft auf. Er war nicht bereit, sich irgendeinem nationalen oder internationalen Druck zu beugen. Die Führer der anderen afrikanischen Staaten halten sich mit Kritik an Mugabe auffallend zurück. Bei den katholischen Bischöfen ist einzig vom Erzbischof Pius Nkube von Bulawayo offene Kritik am Präsidenten und an den rechtlosen Zuständen im Land zu hören. Der Erzbischof setzt sich damit selber der Verfolgung durch den Geheimdienst aus. Die anderen Bischöfe schweigen zwar nicht, sind in ihrer Kritik jedoch zurückhaltend. Kirchliche Organisationen wie Justitia et Pax verurteilen die Vorgänge in Simbabwe ebenso wie viele protestantische Kirchen. Der oberste anglikanische Bischof Simbabwes, Nolbert Kunonga, preist indessen den Sieg Mugabes bei den Präsidentenwahlen als Willen Gottes und versucht, Kritik am Präsidenten in der anglikanischen Kirche zu unterbinden. Optimisten hatten 1980 noch geglaubt, dem Land stünde eine demokratische Zukunft bevor. Am 18. April 1980 wurde die Unabhängigkeit des Landes offiziell gefeiert. Mugabe übernahm als Ministerpräsident die Leitung der Regierung. Seine ZANU-Partei hatte bei den ersten freien Wahlen 57 der 80 afrikanischen Parlamentsmandate erlangt. Nkomo, der ungeliebte Partner Mugabes, war mit seiner ZAPU-Partei auf 20 Mandate gekommen. Ein paar Sitze waren laut Verfassung für die jahrzehntelangen Herrscher des Landes reserviert, für die weißen Siedler. Zahlreiche Weiße hatten neben der simbabwischen Staatsbürgerschaft den britischen Pass behalten. Schon während des Unabhängigkeitskrieges hatten sich viele ins britische Mutterland oder nach Südafrika abgesetzt. Nach der für die einheimische Bevölkerung bitteren Erfahrung der Kolonialzeit war von vielen ein Blutbad an weißen Siedlern erwartet worden. Nichts dergleichen geschah. Mugabe hatte zwar eine Landreform in Aussicht gestellt, aber politische Machtkämpfe, kriegerische Konflikte und wirtschaftlicher Niedergang verhinderten jede konstruktive Entwicklung. Nach 1990 kamen auf Druck der Welthandelsorganisation einige halbherzige Strukturreformen zustande. Gleich nach der Unabhängigkeit sollten die weißen Siedler gegen Entschädigung enteignet werden. Großbritannien hatte finanzielle Hilfe dazu in Aussicht gestellt, zahlte allerdings bis heute keinen Cent. Als nach 20 Jahren ungeduldige "Kriegsveteranen" und Kleinbauern auf die versprochene Landzuteilung drängten, sprach der 1987 zum Präsidenten avancierte Mugabe im März 2000 davon, die Großbauern bei der Landreform entschädigungslos zu enteignen und das Land zu verteilen. Was bisher an Umverteilung geschah, brachte nur höheren Parteibonzen Profit. Ungeduldige landlose Bauern handelten schließlich eigenmächtig. Bilder von Farmbesetzungen und Plünderungen gingen rund um die Welt, und die Vertreibung von weißen Farmern rief vor allem in Europa und Nordamerika Proteste hervor. Die Ursachen für den Streit um Land liegen im 19. Jahrhundert. Die ersten weißen Siedler der "British South Africa Company" hatten schnell den Wert des Ackerbodens erkannt. Enteignung nach bewährter britischer Kolonialtradition sicherte ihnen die fruchtbarsten Landstriche und verdrängte die ansässige Bevölkerung der Shona und Ndebele in die kargen Randgebiete. Das Ergebnis wurde im Konzessionsvertrag zwischen Ndebele-König Lobengula und Cecil Rhodes 1888 "legalisiert". 1930 wurde die Landverteilung nochmals festgelegt. 52 Prozent des Bodens waren für 52000 weiße Siedler reserviert, 48 Prozent sollten den damals eineinhalb Millionen Afrikanern gehören. Das Resultat wurde von der zum Teil in Reservate abgedrängten afrikanischen Bevölkerung nie anerkannt. Ihr Kampf gegen Enteignung, Kolonialisierung und Abhängigkeit zog sich bis zum Waffenstillstand 1979 hin. Die Bevölkerung Simbabwes ist heute auf fast 12,5 Millionen angewachsen. Zwei Drittel davon leben auf dem Land. Das Problem einer gerechten Landverteilung wird dringender, eine Lösung wird immer schwieriger werden. Pater Hans B. Schering, in kontinente März/April 2004 |
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