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Die lukrative Jagd nach Spezereien

Besonders europäische Seemächte stritten um Marktanteile und Vorherrschaft im einträglichen Handel mit Gewürzen. Die Suche nach einem direkten Weg in das "Land, wo der Pfeffer wächst", war der Motor für Neuentwicklungen im Schiffsbau und Grund für riskante Expeditionen. Unvorstellbare Profite lockten wagemutige Unternehmer. Händler und Seefahrer machten ein Vermögen auf diesem Markt. Doch viele Abenteurer verloren alles, sogar ihr Leben.

Weltgeschichte haben Gewürze wie Pfeffer und Salz geschrieben, sogar Kriege wurden ihretwegen geführt. Über die Handelsstraßen des Salzes wurde Europa erschlossen. In Afrika war der Salzhandel der wichtigste Grund, mit Karawanen die Sahara zu durchqueren. Salz wurde sogar mit Sklaven bezahlt. Die Kontrolle der Handelswege brachte reiche Einnahmen und Macht. Den Pfeffertransport von Indien nach Europa kontrollierten bis zum 15. Jahrhundert Händler im ägyptischen Alexandrien und Kaufleute aus Venedig. Seefahrer brachten den Pfeffer von Indien bis ins Rote Meer, dann ging der Handel über römische, arabische und griechische Zwischenhändler weiter. Den direkten Seeweg nach Indien zu finden, war der Antrieb für Entwicklungen im Schiffsbau und Ausgangspunkt vieler Entdeckungen, in deren Folge Seeleute viel Ansehen und Gewinn fanden.

Pfeffer wird aus den Samen des Pfefferstrauchs gewonnen, einer einjährigen Kletterpflanze, die nur in be-stimmten tropischen Regionen gedeiht, wo die richtige Hitze und Feuchtigkeit herrschen. Der beste Pfeffer gedeiht an der Malabarküste in Indien, im südlichen Teil des Subkontinents. An Stangen, Spalieren oder an Palmen klettern die Pflanzen empor, halten sich mit ihren Haftwurzeln fest und werden fünf bis zwanzig Meter hoch. Die Früchte hängen am Strauch in kleinen Trauben oder ährenartigen Fruchtständen, die bis zu 30 Pfefferkörner enthalten. Im Februar und März werden die einsamigen Steinfrüchte geerntet, von den Fruchtstielen getrennt und einige Tage an der Luft getrocknet.

Alexander der Große soll der erste gewesen sein, der von seinem Feldzug gegen Indien 324 vor Christus die Pfefferkörner mit nach Europa gebracht hat. Als die Römer ihr Weltreich bis nach Vorderasien und Ägypten ausdehnten, wurden sie die Herren über die Handelswege nach Indien. Als Besatzungsmacht verbreiteten sie den Geschmack für "Gepfeffertes" bis in die entlegendsten Winkel ihres Reiches.

Thomas, der Apostel Indiens, soll im Jahr 52 nach Cranganore gekommen sein und in Kerala das Christentum gepredigt haben. Wenige Kilometer weiter lag Muziris, der Hafen, von dem aus damals der ganze Gewürzhandel ausging. Dass ein Jude nach Indien reiste, war überhaupt nicht außergewöhnlich, denn er brauchte nur eines der vielen Schiffe zu nehmen, die ständig Gewürze zum Roten Meer brachten. Und im Zielhafen fand er gleich Ansprechpartner: Eine kleine Kolonie jüdischer Händler existierte dort damals schon. Diese Kolonie gibt es immer noch.

Im Mittelalter, als die Araber und Venetianer den Gewürzhandel kontrollierten, war Pfeffer so wertvoll wie Gold. In Venedig wurde das Gewürz um das Hundertfache dessen verkauft, was ursprünglich in Indien bezahlt worden war. Im 14. und 15. Jahrhundert wurden Pfefferkörner sogar als Zahlungsmittel genutzt. Selbst für Sklaven wurde mit Pfefferkörnern bezahlt.

Kein Wunder, dass die politischen Machthaber in den wichtigen europäischen Ländern der damaligen Zeit gern an dem lukrativen Handel teilgehabt hätten. Doch zuerst musste das Handelsmonopol der Araber und Venetianer gebrochen werden. Im Osten drohten die Türken, den Handel an sich zu reißen. Der Versuch von Christoph Kolumbus, 1492 Indien durch die Erdumsegelung in westlicher Richtung zu finden, schlug fehl. Er fand den Weg nach Amerika. Am 8. Juli 1497 brach der portugiesische Kapitän Vasco da Gama mit dem Segen des machtbewussten Papstes Alexander VI. auf, um einen direkten Seeweg nach Indien zu suchen. Seine Expedition umfasste vier Karavellen, 170 Mann Besatzung gehörten dazu. Er umsegelte das Kap der Guten Hoffnung und kam nach zehn Monaten tatsächlich in Indien an. Am 20. Mai 1498 konnte er in Cochin an Land gehen. Bei seiner Rückkehr nach Lissabon wurde er 1499 wie ein Held empfangen. Die Reise war verlustreich und voller Strapazen gewesen, aber der Profit war unvorstellbar. Allein der Wert der Ladung, die Vasco da Gama an Gewürzen mitbrachte, betrug das sechsfache dessen, was in seine Flotte und in die Reise investiert worden war. Die Venetianer verloren ihr Handelsmonopol. Den Moslems, die 1492 endgültig aus Spanien vertrieben worden waren, wurde der Gewinn bringende Zwischenhandel entzogen. Die Übernahme des Handels durch die Türken war vereitelt.

Große Mengen Pfeffer kamen in den folgenden Jahren nach Europa. Die Preise sanken drastisch, aber Pfeffer blieb eine wichtige und relativ teure Ware. Fast hundert Jahre lang konnte die kleine Seemacht Portugal mit den Handelsgewinnen seine Eroberungspolitik in aller Welt finanzieren. Andere europäische Seemächte wie die Holländer und Engländer drängten mit Gewalt auf den Pfeffermarkt. Der Gewürzhandel war unbestreitbar auch einer der Auslöser für den Kolonialismus.

Wofür Europa den Pfeffer nötig hatte? Natürlich um den faden Speisen einen etwas exotischen Geschmack zu geben. Fleisch verdirbt schnell und es gab damals kaum Aufbewahrungsmöglichkeiten. Da half das Gewürz, verdorbenes, stinkendes Fleisch noch irgendwie schmackhaft zu machen. Indische Köche nutzen in ihrer traditionellen Küche heute ein anderes Gewürz viel lieber als den Pfeffer, nämlich Chili. Die Pflanzen, deren Schoten den Speisen einen feurigheißen Geschmack verleihen, hatten die Portugiesen aus Amerika mitgebracht und in Indien eingeführt.

Pater Hans B. Schering, August 2003

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