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Nicht Religion, sondern Macht |
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| Die islamistische Regierung im Wüstenstaat Sudan versucht die Probleme des Landes mit Druck und Gewalt zu lösen. Dabei verbietet sie sich jede Einmischung vom Ausland, das die Einhaltung der Menschenrechte fordert. | |
Wann immer in den vergangenen 50 Jahren vom Sudan die Rede war, ging es um Probleme und Kämpfe: Staatsstreiche, islamischer Fundamentalismus, Anschläge, Hunger, bewaffnete Auseinandersetzungen. An der Bruchstelle zwischen dem islamischen, arabisierten Norden und dem von schwarzafrikanischen Christen und Animisten bewohnten Süden des Landes tobte seit Jahrzehnten ein erbarmungsloser Bürgerkrieg. Nach einem ersten Krieg von 1955 bis 1972 flammten die Kämpfe gegen die Regierung in Khartum 1983 erneut auf. Die Völker im Süden fühlten sich übergangen und unterdrückt. Die "Araber" des Nordens sahen auf die Afrikaner des Südens herab, bekämpften deren Religion und Kultur. Ohne Rücksicht auf die Bevölkerung des Südens versuchte Khartum, sich des Wasserreichtums der Nilsümpfe zu bemächtigen. Der Bau eines riesigen Kanals droht eine ganze Region auszutrocknen. Die Lage verschlimmerte sich, als Anfang 1980 in den umkämpften Gebieten Erdöl entdeckt und 1997 mit dessen Förderung begonnen wurde. Die Einnahmen zu teilen, kam der Zentralregierung nicht in den Sinn. Die Verträge, die während des Bürgerkriegs mit verschiedenen Parteien geschlossen wurden, werden von der Zentralregierung nicht eingehalten. Die Kämpfe gingen weiter, jetzt finanzierte das Öl die Kriegsmaschine des Nordens. Während chinesische, kanadische, malayische, schwedische und französische Ölfirmen die Ölförderung ausbauten und gut verdienten, bombardierten die Antonows der Regierung rücksichtslos Dörfer und Städte im Süden. Die Lage schien aussichtslos. Seit 1983 sind mindestens 1,9 Millionen Menschen im Bürgerkrieg getötet und mehr als vier Millionen aus ihrer Heimat vertrieben worden. Nach jahrelangen Verhandlungen wurde im Mai dieses Jahres ein Rahmenabkommen zwischen den Kriegsparteien unterzeichnet. Das geschah auch auf Druck der USA, die den Sudan lange als gefährliches Land eingestuft hatten, das enge Beziehungen zum Terroristenführer Bin Laden unterhielt. Jetzt versucht der Sudan sich wieder mit dem Westen zu arrangieren. So vereinbarten die Regierung in Khartum und die Rebellenorganisation SPLA (Sudanese Popular Liberation Movement), die Kampfhandlungen einzustellen und auf eine politische Lösung hinzuarbeiten. 2010 sollen die Einwohner des Südens in einer Volksabstimmung entscheiden können, ob sie in einem vereinten Sudan verbleiben wollen. Der Sudan ist mit rund zweieinhalb Millionen Quadratkilometern das größte Land Afrikas. Von den 35 Millionen Einwohnern ist etwa die Hälfte arabisiert. Sie lebt mehrheitlich im Norden und spricht Arabisch. Die andere Hälfte sind Schwarzafrikaner verschiedenster Stammeszugehörigkeit, es sollen 572 Ethnien sein, die mehr als 100 Sprachen sprechen. 70 Prozent der Einwohner bekennen sich zum Islam, etwa zehn Prozent sind Christen und 20 Prozent Animisten. Letztere leben meist im Süden des Landes. Nach dem Ende der britischen Kolonialherrschaft 1956 kam es der Regierung des Sudan vor allem darauf an, die Macht des islamischen Bevölkerungsteils im Lande zu sichern. Die Christen im Südsudan bekamen die Feindseligkeit der Regierung bald zu spüren. Gleich im ersten Jahr wurden die christlichen Schulen enteignet, Missionsarbeit wurde 1962 verboten, die Missionare 1964 des Landes verwiesen. Die arabische Sprache wurde in allen Bildungseinrichtungen vorgeschrieben, islamischer Religionsunterricht verordnet und schließlich die Scharia eingeführt, die auch für den nichtislamischen Süden galt. Die katholische Kirche überlebte vor allem dank Laien, die ihr Engagement allerdings oft mit dem Leben bezahlen mussten. 1958 hatte sich General Abboud an die Macht geputscht, an der er bis 1964 festhielt. Nach einem kurzen Intervall einer bürgerlichen Regierung übernahm 1969 General Gaafar Nimeiri durch einen Militärputsch die Macht und behielt sie bis zu seiner Absetzung 1985. Nimeiri war es, der im Abkommen von Addis Abeba dem Südsudan eine Autonomie zugestand, die Scharia für den Süden abschaffte und damit den ersten Bürgerkrieg beendete. Auf wirtschaftlichen Druck Saudi Arabiens hin setzte er 1983 die Scharia wieder als landesweit gültiges oberstes Gesetz ein. Die Bevölkerung des Südens protestierte. Erneut kam es zum Bürgerkrieg. Angeführt von der SPLA unter der Leitung John Garangs kämpfte der Süden wieder gegen die Zentralregierung. Nach Nimeiri übernahm Sadiq al-Mahdi für vier Jahre die Regierung in Khartum. Auch er hatte sich einer verstärkten Islamisierung des Sudan verschrieben. 1989 putschte der ehemalige General Omar al Bashir. Er steht in Khartum bis heute einem militaristischen Regime vor. Die fundamentalistisch-islamistische Ausrichtung der jetzigen Regierung hat die Situation der Kirchen im Sudan nicht verbessert. Die meisten Christen stammen aus den südlichen Gebieten, besonders in den Flüchtlingslagern um Khartum sind sie ständigen Repressalien der Regierung ausgesetzt. Die christlichen Kirchen sind den Behörden ein Dorn im Fleisch, weil sie weltweit ständig auf ihre Unterdrückung durch die Regierung, aber auch auf die Not der Flüchtlinge und der Menschen in den Kriegsgebieten aufmerksam machen. Wo immer möglich, leistet die Kirche humanitäre Hilfe, besonders im Süden des Landes, was ihr die Regierung als Unterstützung der Rebellen auslegt. Die starken Spannungen zwischen katholischer Kirche und Regierung wurden zwar durch einen Besuch Papst Johannes Paul II. am 10. Februar 1993 ein wenig entschärft, das offizielle Verhältnis von Staat und Kirche verbesserte sich, im Oktober 1994 wurde das "Missionsgesetz" von 1962 aufgehoben. Doch die grundsätzliche antichristliche Haltung der Regierung Khartums ist bis heute geblieben. Trotz aller religiösen Verbrämung geht es bei den Kriegen im Sudan zunächst einmal um Macht. So auch beim jetzigen Krieg in Darfur, der westlichen Region des Sudan. Die afrikanische Bevölkerung dort ist muslimisch. Der Konflikt ist nicht neu. Arabisierte Nomaden kämpfen gegen afrikanische Bauern. Es geht um Vorherrschaft und Land. Nur wird der uralte Konflikt heute mit modernen Waffen ausgetragen. Rücksichtslos gehen die Reiterschwadrone der arabischen Janjaweed gegen Dörfer und Flüchtlingslager vor. Die Politik der ethnischen Säuberung wird durch die Regierung in Khartum unterstützt. Augenzeugen berichten, dass wieder die Antonow-Bomber gegen Dörfer und Zivilbevölkerung im Einsatz sind. Nach dem Bombenabwurf vertreiben Reiterschwadrone die Menschen und plündern die Dörfer. Auf westliche Proteste erwidert die Regierung, das Ausland solle sich um seine eigenen Angelegenheiten kümmern. Pater Hans B. Schering, August 2004 |
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