logo100.gif (1789 Byte)
  
Afrikamissionare - Weisse Väter
Ludwigsburger Str. 21
50739 Köln
KONTINENTE - November/Dezember 2002

home

[zurück zu Beiträge]      [zurück zu "Aktuelle Nachrichten"]

Gegen den Teufelskreis der Katastrophen

"Da kann man nichts machen", diese Ausrede will der Afrikamissionar Bruder Josef Eberle nicht gelten lassen. Auch im von Überschwemmungen und Trockenheit geplagten Mosambik ist Hilfe möglich. Er fördert und unterstützt besonders die Selbsthilfe der Bevölkerung in der Diözese Chimoio. Eines seiner wichtigsten Werkzeuge ist die beharrliche Geduld.

Unvergessen sind die Bilder der großen Flut in Mosambik vom Februar und März 2000. Immer noch sind die Folgen der Überschwemmungen im Land spürbar. Für kurze Zeit berührte besonders eine Szene die Herzen der Menschen, das Bild einer jungen Frau, die auf der Flucht vor dem Hochwasser ihr Kind auf einem Baum geboren hatte. Heute wird Mosambik schon wieder von einer Plage heimgesucht, diesmal ist es die Trockenheit. Im Süden des Landes ist der Boden auf den Äckern steinhart geworden, die Maisernte am Halm vertrocknet. Dürre herrscht in großen Teilen des südlichen Afrika. Mit der Trockenheit kommt der Hunger. Hilfe trifft nur sehr zögerlich ein. Viele Länder der Welt sind mit ihren eigenen Katastrophen beschäftigt.

"Niemand wird uns helfen, wenn wir uns nicht selber helfen", ist die Devise von Bruder Josef Eberle, einem Afrikamissionar aus Erbach bei Ulm, der seit sechs Jahren in Mosambik, in der Diözese Chimoio eingesetzt ist.

Die Probleme des südlichen Afrika kennt er zur Genüge, 30 Jahre hat er im Nachbarland Malawi gearbeitet. Nach Chimoio kam er, weil Bischof Francisco Silota (M.Afr.) für den Wiederaufbau Leute suchte. Nach dem 17 Jahre dauernden Bürgerkrieg lag alles im Land am Boden, auch die Einrichtungen der Kirche. Der sozialistische Staat hatte einen Großteil kirchlicher Einrichtungen enteignet und sie dem Verfall preisgegeben. Jetzt übernimmt die Kirche wieder Institutionen und baut neu auf: Pfarrgebäude, Schwesternhäuser, Krankenstationen und Schulen.

Ausgebildete Arbeiter fehlen. Josef Eberle muss sie sich selber besorgen und fördert als erstes Werkstätten und Lehrlingsausbildung. Ökologische Fragen spielen eine große Rolle beim Wiederaufbau. Die Katastrophen der letzten Jahre sind ja nicht nur eine Folge von Wetterkapriolen. Auch im südlichen Afrika ist viel daran menschengemacht. Wo liegen also die Ursachen? "Die Probleme sind naturbedingt, da können wir nichts machen", ist die schnellste Antwort. Der Bruder gibt sich damit nicht zufrieden. Anhand einer Afrikakarte erklärt er, wie an den großen Flüssen entlang seit Jahren etwas geschieht, das die Katastrophe zumindest beschleunigt. Eine großflächige Entwaldung, ein Kahlschlag findet statt. Der Holzexport hat einige Leute reich gemacht, darunter sind auch Politiker. Immer noch werden riesige Konzessionen an Chinesen, Japaner und Südafrikaner vergeben. Ist der Wald abgeholzt, scheint jedoch niemand an Aufforstung zu denken. Entwaldung ist für Bruder Eberle eine der Hauptursachen für die Flutkatastrophen. Früher hielten die Waldgebiete das Regenwasser zurück, saugten es auf und gaben es erst nach und nach wieder ab. Der Wald funktionierte als großes Wasserreservoir. Jetzt wird das Wasser nicht mehr gespeichert, es fließt gleich an der Erdoberfläche ab. Schnell trocknet der Boden aus, die Erde wird hart wie ein gebrannter Ziegel. Bei der nächsten Regenzeit schafft das Wasser es nicht mehr, ins Erdreich zu dringen, es fließt noch schneller ab, eine Flut entsteht und kaum ein Tropfen Wasser bleibt als Reserve im Boden. Schlimmer noch, die ungebremsten Wassermassen spülen das verbliebene Erdreich weg. Erosion verschlechtert die Böden zusehends. Scheinbar ist dem Teufelskreis nicht mehr zu entkommen.

Nach der großen Flut im Jahr 2000 wurden über 570 Millionen US-Dollar an Katastrophenhilfe ins Land gebracht. Nur ein geringer Teil davon sickerte bis zu den Betroffenen durch. Wo der"Rest" blieb weiß niemand. So ist das immer wieder mit den riesigen Geldspenden: Je mehr Geld zur Verfügung steht, desto weniger geschieht an der Basis. Wenn doch etwas getan wird, geht es meist über die Köpfe der Menschen hinweg. Um Ursachenforschung bemüht sich niemand.
Einfach mit Projekten beginnen bringt nicht viel, meint Josef Eberle. "Solange die Leute die Ursachen des Problems nicht selber sehen, macht es wenig Sinn, Pläne auszuarbeiten. Wir versuchen es darum mit Selbsthilfe in einer einfachen Art. In der Maika-Provinz, zu der die Diözese Chimoio gehört, wurden in jeder Pfarrei Leute mit etwas Führungsqualität ausgesucht. Mit ihnen veranstalten wir Seminare. Für die Teilnehmer ist das ein Ehrenamt. Sie werden nur verpflegt und erhalten ihre Reisekosten zurück. Auch ihr Einsatz zu Hause ist unbezahlt. Wir arbeiten gezielt in drei Zonen: eine Nord-, Zentral- und Südregion. Jede dieser Zonen ist auch klimatisch etwas verschieden. Zuerst betreiben wir Ursachenforschung. Danach erst machen wir Pläne und arbeiten Modelle aus."

Gemeinsam wird überlegt, was getan werden kann, um Abhilfe zu schaffen, ohne gleich zu fragen: "Was können andere für uns tun?" Nicht um finanzielle Mittel sondern um persönlichen Einsatz geht es. Es wird viel über Gemeinschaftsarbeit diskutiert. Nur das Wort "Cooperative" wollen die Leute nicht mehr hören, es erinnert an schlechte Erfahrungen während der Zeit der russischen Präsenz und an Kolchosenmethoden. Jetzt wird von christlicher Gemeinschaft gesprochen und vom Dienst am Nächsten.
Die Seminarteilnehmer gehen als Animatoren in die Pfarreien und vermitteln weiter, was sie gelernt haben. Viermal im Jahr kommen sie zusammen, erstatten Bericht über das, was bisher geschehen ist, und beraten, wie es weitergehen soll. Auch ohne Finanzen von außen kann also etwas getan werden, das ist eine wichtige Erfahrung.

Auf verschiedenste Art und Weise können Wasserreserven angelegt werden. Wo Erosion droht, werden kleine Gräben gezogen, in denen das Regenwasser versickern kann. Zisternen werden gebaut, die eine gewisse Menge Wasser zurückhalten, kleine Dämme speichern noch mehr. Regenwasser fließt also nicht einfach unkontrolliert ab und wird zur Flut. Es bereichert die Erde und wird als Reserve für die Trockenzeit gespeichert. Auch der Grundwasserspiegel steigt wieder.
"Alles beginnt mit dem Wasserhaushalt. Wasser ist Leben, ohne Wasser kann kein Lebewesen bestehen. Wir versuchen schon beim ersten Regen zu sammeln und zu speichern. Ich sage den Leuten dann, sie sollen auch ruhig mal dem Herrgott danken für das Wasser und für das neue Leben, das kommt", erklärt Bruder Eberle. Es werden aber nicht nur Gräben gezogen, dass das Wasser versickert, sondern auch Brunnen gebaut, damit die Menschen sauberes Wasser für den Hausgebrauch haben. Bruder Eberle erzählt: "Wir verwenden die alte römische Brunnenbaumethode. Unter einem keilförmigen Ring wird ausgegraben, der Ring sinkt ab und oben wird aufgemauert, so lange, bis wir ans Wasser kommen. Die Tiefe spielt gar keine Rolle."
Dazu kommt natürlich auch die Idee der nachhaltigen Land- und Forstwirtschaft. Den Leute wird gezeigt, wie Baumschulen angelegt werden. Dafür werden zuerst die Samen von einheimischen Bäumen gesammelt. Es soll ein natürlicher, dem Land angepasster Forst entstehen. Die Seminarteilnehmer lernen, wie die einheimischen Hölzer durch Samen, Wurzeln und Ableger nachgezogen werden können, um damit gezielt aufzuforsten. Josef Eberle hat auch selber eine Baumschule angelegt. 56 Quadratkilometer Land stehen ihm in Amatongas für eine Aufforstung zur Verfügung, Land einer alten franziskanischen Missionsstation. Das war einmal tropischer Regenwald, der über die Jahre abgeholzt wurde. Nie wurde auch nur ein Baum gepflanzt, das Gelände verwilderte. "Wir roden jetzt dieses wilde Gestrüpp. Wo noch ein Baum steht, bleibt er stehen. Zwischendrin wird aufgeforstet. Die Pflanzen dafür ziehen wir selber, beispielsweise Teak, Mahagoni und andere Hartholzbäume, aber auch Nadelholzbäume, Flambojants und Leeches."

Vor einigen Jahren traf Bruder Eberle an einem Wochenende rein zufällig in Chimoio drei junge Burschen, die an der Straßenseite Akazienpflanzen verkauften. Sie hatten eine eigene kleine Baumschule angefangen und verdienten sich ihr Schulgeld damit. Josef Eberle versprach, ihnen alle Bäume abzukaufen, die sie sonst nicht los werden. Über die Jahre ist die Baumschule der Jungen enorm gewachsen. Sie ziehen heute auch Fruchtbäume und sogar Rosenstöcke. Mit ihrer Eigeninitiative und ihrer Arbeit haben sie sich eine richtige Lebensgrundlage geschaffen.

Von Hans B. Schering 6/2002

[zurück zu Beiträge]  [zurück zu "Aktuelle Nachrichten"]

home