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Gegen den Teufelskreis der Katastrophen |
"Da kann man nichts machen", diese Ausrede will der Afrikamissionar Bruder Josef Eberle nicht gelten lassen. Auch im von Überschwemmungen und Trockenheit geplagten Mosambik ist Hilfe möglich. Er fördert und unterstützt besonders die Selbsthilfe der Bevölkerung in der Diözese Chimoio. Eines seiner wichtigsten Werkzeuge ist die beharrliche Geduld. |
Unvergessen sind die Bilder der großen Flut in Mosambik vom Februar und März 2000. Immer noch sind die Folgen der Überschwemmungen im Land spürbar. Für kurze Zeit berührte besonders eine Szene die Herzen der Menschen, das Bild einer jungen Frau, die auf der Flucht vor dem Hochwasser ihr Kind auf einem Baum geboren hatte. Heute wird Mosambik schon wieder von einer Plage heimgesucht, diesmal ist es die Trockenheit. Im Süden des Landes ist der Boden auf den Äckern steinhart geworden, die Maisernte am Halm vertrocknet. Dürre herrscht in großen Teilen des südlichen Afrika. Mit der Trockenheit kommt der Hunger. Hilfe trifft nur sehr zögerlich ein. Viele Länder der Welt sind mit ihren eigenen Katastrophen beschäftigt. "Niemand wird uns helfen, wenn wir uns nicht selber helfen", ist die Devise von Bruder Josef Eberle, einem Afrikamissionar aus Erbach bei Ulm, der seit sechs Jahren in Mosambik, in der Diözese Chimoio eingesetzt ist. Die Probleme des südlichen Afrika kennt er zur Genüge, 30 Jahre hat er im Nachbarland Malawi gearbeitet. Nach Chimoio kam er, weil Bischof Francisco Silota (M.Afr.) für den Wiederaufbau Leute suchte. Nach dem 17 Jahre dauernden Bürgerkrieg lag alles im Land am Boden, auch die Einrichtungen der Kirche. Der sozialistische Staat hatte einen Großteil kirchlicher Einrichtungen enteignet und sie dem Verfall preisgegeben. Jetzt übernimmt die Kirche wieder Institutionen und baut neu auf: Pfarrgebäude, Schwesternhäuser, Krankenstationen und Schulen. Ausgebildete Arbeiter fehlen. Josef Eberle muss sie sich selber besorgen und fördert als erstes Werkstätten und Lehrlingsausbildung. Ökologische Fragen spielen eine große Rolle beim Wiederaufbau. Die Katastrophen der letzten Jahre sind ja nicht nur eine Folge von Wetterkapriolen. Auch im südlichen Afrika ist viel daran menschengemacht. Wo liegen also die Ursachen? "Die Probleme sind naturbedingt, da können wir nichts machen", ist die schnellste Antwort. Der Bruder gibt sich damit nicht zufrieden. Anhand einer Afrikakarte erklärt er, wie an den großen Flüssen entlang seit Jahren etwas geschieht, das die Katastrophe zumindest beschleunigt. Eine großflächige Entwaldung, ein Kahlschlag findet statt. Der Holzexport hat einige Leute reich gemacht, darunter sind auch Politiker. Immer noch werden riesige Konzessionen an Chinesen, Japaner und Südafrikaner vergeben. Ist der Wald abgeholzt, scheint jedoch niemand an Aufforstung zu denken. Entwaldung ist für Bruder Eberle eine der Hauptursachen für die Flutkatastrophen. Früher hielten die Waldgebiete das Regenwasser zurück, saugten es auf und gaben es erst nach und nach wieder ab. Der Wald funktionierte als großes Wasserreservoir. Jetzt wird das Wasser nicht mehr gespeichert, es fließt gleich an der Erdoberfläche ab. Schnell trocknet der Boden aus, die Erde wird hart wie ein gebrannter Ziegel. Bei der nächsten Regenzeit schafft das Wasser es nicht mehr, ins Erdreich zu dringen, es fließt noch schneller ab, eine Flut entsteht und kaum ein Tropfen Wasser bleibt als Reserve im Boden. Schlimmer noch, die ungebremsten Wassermassen spülen das verbliebene Erdreich weg. Erosion verschlechtert die Böden zusehends. Scheinbar ist dem Teufelskreis nicht mehr zu entkommen. Nach der großen Flut im Jahr 2000 wurden
über 570 Millionen US-Dollar an Katastrophenhilfe ins Land gebracht. Nur ein geringer
Teil davon sickerte bis zu den Betroffenen durch. Wo der"Rest" blieb weiß
niemand. So ist das immer wieder mit den riesigen Geldspenden: Je mehr Geld zur Verfügung
steht, desto weniger geschieht an der Basis. Wenn doch etwas getan wird, geht es meist
über die Köpfe der Menschen hinweg. Um Ursachenforschung bemüht sich niemand. Gemeinsam wird überlegt, was getan werden
kann, um Abhilfe zu schaffen, ohne gleich zu fragen: "Was können andere für uns
tun?" Nicht um finanzielle Mittel sondern um persönlichen Einsatz geht es. Es wird
viel über Gemeinschaftsarbeit diskutiert. Nur das Wort "Cooperative" wollen die
Leute nicht mehr hören, es erinnert an schlechte Erfahrungen während der Zeit der
russischen Präsenz und an Kolchosenmethoden. Jetzt wird von christlicher Gemeinschaft
gesprochen und vom Dienst am Nächsten. Auf verschiedenste Art und Weise können
Wasserreserven angelegt werden. Wo Erosion droht, werden kleine Gräben gezogen, in denen
das Regenwasser versickern kann. Zisternen werden gebaut, die eine gewisse Menge Wasser
zurückhalten, kleine Dämme speichern noch mehr. Regenwasser fließt also nicht einfach
unkontrolliert ab und wird zur Flut. Es bereichert die Erde und wird als Reserve für die
Trockenzeit gespeichert. Auch der Grundwasserspiegel steigt wieder. Vor einigen Jahren traf Bruder Eberle an
einem Wochenende rein zufällig in Chimoio drei junge Burschen, die an der Straßenseite
Akazienpflanzen verkauften. Sie hatten eine eigene kleine Baumschule angefangen und
verdienten sich ihr Schulgeld damit. Josef Eberle versprach, ihnen alle Bäume abzukaufen,
die sie sonst nicht los werden. Über die Jahre ist die Baumschule der Jungen enorm
gewachsen. Sie ziehen heute auch Fruchtbäume und sogar Rosenstöcke. Mit ihrer
Eigeninitiative und ihrer Arbeit haben sie sich eine richtige Lebensgrundlage geschaffen. |
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